Tod auf dem Weingut
Deon Meyer
Die Kriminalromane des südafrikanischen Autors Deon Meyer leben von der Dramaturgie der Handlung, und zumeist erzeugt Meyer Spannung durch einen Wettlauf gegen die Zeit. Diese Methode wird mitunter bereits in den Titeln seiner Bücher ersichtlich, etwa »Dreizehn Stunden« oder »Sieben Tage«. In diese derart terminierten Handlungsverläufe bettet Meyer dann seine Themen von internationaler Dimension: Organhandel, Waffenschmuggel, Datendiebstahl, Elfenbeinwilderei. Manchmal aber erzählt Meyer auch schlicht linear, ohne besondere Spannungsbögen, wie im Tierschutz-Krimi »Weißer Schatten« - dann wird die Lektüre zur Lehrstunde über ein politisches Anliegen des Autors.
Leider handelt es sich bei Meyers neuem Krimi »Icarus« um eine dieser Ausnahmen, um Thesenliteratur rund um den Weinbau in der südafrikanischen Kapregion. Damit ist zwar wieder für internationale Relevanz der Handlung gesorgt, denn ein Betrug mit vorgeblichen Spitzenweinen betrifft deutschstämmige südafrikanische Winzer ebenso wie Konsumenten in Peking oder südafrikanische Winzergenossenschaften mit ihrem Vertriebsquoten- und Preissystem. Unter den Weintouristen am Kap mag das für Leser sorgen und gibt einen informativen Abriss der Geschichte des Weinbaus rund um Stellenbosch, zieht sich aber beim Lesen erheblich und unspektakulär in die Länge. Meyer gelingt es nicht, die beiden Erzählstränge aus Sicht des Ermittlers Bennie Griessel einerseits und des Winzers François du Toit andererseits auf der Handlungsebene dynamisch zu verknüpfen. Da er formal mit Gesprächsprotokollen von Zeugenaussagen arbeitet, schafft das zudem einen eher trockenen Tonfall.
Man muss also hoffen, dass das nächste Buch Meyers wieder ein rasanter Thriller von mitreißendem Tempo ist, ein Schmöker, den man nicht aus der Hand legen kann. Bei »Icarus« ist das bedauerlicherweise nicht der Fall - da muss man sich in der Tat durchringen, das Buch immer wieder doch noch einmal zur Hand zu nehmen.
Deon Meyer: Icarus. Roman. Aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer. Rütten & Loening. 429 S., geb., 19,99 €.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.