Jahresnoten werden zum Politikum
Thüringen: Stundenausfälle bringen Lücken im Zeugnis
Erfurt. Tausende Thüringer Schüler müssen damit rechnen, zum Schuljahresende nicht in allen Fächern eine Note zu bekommen. Davon seien landesweit mehr als 200 Klassen in mindestens einem Fach betroffen, sagte der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner auf Anfrage. Er stützt sich dabei auf eine Antwort des Bildungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage der CDU-Fraktion.
Demnach wurden zum Halbjahr im Februar in 478 Klassen in einzelnen Fächern keine Zeugnisnoten gegeben. »Ich rechne mit einer ähnlich hohen Zahl zum Ende des Schuljahres«, sagte Tischner. Betroffen seien vor allem die Fächer Musik und Kunst, die zweite Fremdsprache an Regelschulen, aber auch Ethik, Chemie oder Wirtschaft/Recht.
Ursache dafür seien Unterrichtsausfall oder Vertretungsstunden in artfremden Fächern. »Die Zahlen sind ein weiteres Alarmsignal, dass der Generationenwechsel mit allen Kräften angegangen werden sollte«, betonte der CDU-Politiker. Die »Ostthüringer Zeitung« hatte zuerst darüber berichtet.
»Wenn 212 Klassen betroffen sind, in denen jeweils eine Zeugnisnote nicht gegeben werden kann, betrifft das 1,9 Prozent der Klassen«, erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Mit Blick auf die Zahl der 2017 geplanten 500 Neueinstellungen von Lehrern bemerkte er: »Wir gehen Schritt für Schritt die verfehlte Schulpolitik der 2000er Jahre an.«
Tischner verlangte, jährlich statt 500 Referendare mindestens 700 im Schuldienst auszubilden. Schließlich könnten fehlende Noten auf Zeugnissen zu Problemen für die Schüler führen, beispielsweise beim Wechsel auf das Gymnasium oder wenn sie musisch-künstlerische Berufe anstrebten.
Thüringens rot-rot-grüne Landesregierung will indessen den Grundschulhorten vom kommenden Jahr an 150 zusätzliche Erzieherstellen zur Verfügung stellen. »Mit einem Drei-Punkte-Programm bringen wir mehr Personal in die Horte, sorgen so für ein Qualitätsplus und erhöhen die Attraktivität des Erzieherberufs«, sagte Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler am Samstag in Erfurt. Mit einem Teil der neuen Stellen sollen Erzieher ihre Teilzeitbeschäftigung aufstocken können.
Diejenigen, deren Beschäftigungsumfang weniger als 60 Prozent beträgt, erhalten den Angaben zufolge das Angebot, auf diesen Umfang aufzustocken. Allein 665 Erzieherinnen hätten derzeit höchstens 50-Prozent-Stellen. »Das ist ein erheblicher Schritt zur Herstellung guter Arbeitsbedingungen«, meinte Ohler. Landesweit kümmern sich mehr als 2900 Erzieher um Kinder und Jugendliche in den Schulhorten. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.