Mehr als 50 Mal Giftalarm am Rhein binnen drei Jahren

Nordrhein-Westfalen: Erst Ende Mai wurde Flammschutzmittel TCPP im Wasser entdeckt - die Bezirksregierung ermittelt

  • Lesedauer: 2 Min.

Essen. Die nordrhein-westfälischen Überwachungsbehörden haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 50 Mal Rheinalarm gegeben. Im laufenden Jahr lösten die Sensoren des Landesumweltamtes (Lanuv) bisher neun Mal Schadstoffalarm aus. Binnenschiffer, die Altöl im Rhein verklappen, sind dabei kaum mehr als Verschmutzer vertreten. Sie seien von den Kontrollen abgeschreckt, teilte das Umweltamt mit.

Das Landesamt betreibt zwei feste Kontrollstationen und ein Laborschiff in NRW. Beim jüngsten Rheinalarm wurde am 27. Mai das Flammschutzmittel TCPP im Wasser entdeckt. Es wird in Kunststoffen verwendet und von der chemischen Industrie verarbeitet. Jetzt ermittelt die Bezirksregierung Düsseldorf. Der Stoff wurde vermutlich mit Abwässern in den Rhein geschwemmt. Die Konzentration sei insgesamt aber so niedrig gewesen, dass die Lebewesen im Fluss nicht gefährdet gewesen seien, heißt es im Bericht des Landeamtes.

Ein anderes Beispiel ist die Einleitung von Pyrazol vom 18. August 2015 gewesen. Pyrazole haben Bedeutung in der Medizin, Landwirtschaft und als Farbstoffe und sind biologisch schwer abbaubar. Aufgefallen war der Stoff an der festen Kontrollstation an der deutsch-niederländischen Grenze in Kleve. Vom Mittelrhein her kam der Stoff nicht. Das belegten Analysen an der Kontrollstation Bad Honnef, der südlichen NRW-Station am Rhein. Mit Hilfe des Laborschiffs »Max Prüss« verfolgten die Überwacher anschließend den Schadstoff bis zur Quelle in Dormagen. »Für die Bezirksregierung mit ihrer Kenntnis über einzelne Anlagen und Prozesse war es dann nicht mehr schwer, die Ursache zu finden und abzustellen«, sagte Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia.

Beim bisher größten Unglück waren 1986 beim Brand im Schweizer Sandoz-Werk riesige Mengen Pestizide in den Rhein gelangt. Ein großes Fischsterben war die Folge. Über Wochen konnte kein Wasser zur Trinkwasseraufbereitung aus dem Rhein genommen werden. Sandoz war Auslöser für einen effektiveren Schutz des Rheins.

Beim Rheinalarm wird das Auftauchen von wassergefährdenden Stoffen an andere Behörden und Einrichtungen wie Wasserwerke sofort weitergegeben. Der Alarm ist länderübergreifend.

In Baden-Württemberg wird derzeit untersucht, wie es am Sonntag zum Auslaufen eines Farbstoffs aus einer Kläranlage des Chemiekonzerns BASF in den Rhein bei Ludwigshafen kommen konnte. Der Fluss färbte sich BASF-Angaben zufolge durch die Chemikalie Tinolux BBS zeitweise leicht grün. Tiere und Pflanzen seien nicht gefährdet gewesen. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben über den Zwischenfall informiert. Das Unternehmen stoppte die Produktion in dem betroffenen Betrieb. Der Farbstoff wird in der Waschmittelherstellung verwendet. dpa/nd

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