Der Trumpisierung widerstanden
Roland Etzel zum deutsch-saudi-arabischen Außenministertreffen
Der Termin von Außenminister Gabriel mit seinem saudi-arabischen Amtskollegen war wohl keine Harmonieveranstaltung. Für Gabriels verbale Kniefälle gewohnten Gast endete das Gespräch womöglich überraschend unerquicklich. Zumindest wäre es gut, wenn die Begegnung diesen Eindruck bei ihm hinterließe. Schließlich hat es den Potentaten in Riad beliebt, in der mit Kriegen bereits reichlich heimgesuchten Mittelostregion über Nacht mit dem Erdrosselungsversuch gegen Katar einen neuen Konflikt loszutreten; einen, der leicht in einen Krieg übergehen kann.
Gabriel hat zum Missbehagen seines Gastes verbale Unterstützung dafür verweigert. Anders als man es von seinem Vorgänger Steinmeier gewohnt war, hat er seine Aussage nicht in einem Meer konsensualer Diplomatiefloskeln ertränkt - nicht Beihilfe im Konflikt angetragen, sondern Hilfe beim Dialog bei gleichem Abstand zu beiden Seiten.
Dabei sei ihm Durchhaltevermögen gewünscht. Was Deutschland am wenigsten braucht, ist - auch da hat Gabriel völlig recht - eine Trumpisierung seiner Außenpolitik. Zu letzterem zählen auch die peinlichen Rufe deutscher Politiker und Sportfunktionäre, Katar jetzt die Fußball-WM zu entziehen. Als es um Sklavenarbeit auf den WM-Baustellen ging, hat man diese Forderung von Kauder und Grindel nicht gehört.
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