NPD mit grünbrauner Tarnung

Nazis im Nordosten setzen auf Ökoimage

  • Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Titel der Einladung klang zwar ein wenig nach Lokalpatriotismus. Aber politisch verfänglich schien die Sache keineswegs. Unter dem Motto »Mecklenburg Vorpommern tut gut!?« sollten Vertreter der im Schweriner Landtag vertretenen Parteien sowie der Grünen und der Umweltorganisation BUND über Gentechnik und ökologische Landwirtschaft diskutieren.
Die in dem Örtchen Krakow am See geplante Veranstaltung musste dann allerdings doch noch abgeblasen werden, nachdem fast alle Diskussionspartner ihre Teilnahme abgesagt hatten. Grund: Der Sprecher der einladenden Initiative »Gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See«, Helmut Ernst, ist NPD-Mitglied.

Grüne: Notfalls neue Initiativen gründen
»Wir scheuen nicht die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Gentechnik". Wir werden aber unter keinen Umständen an Tarnveranstaltungen der NPD teilnehmen«, erklärte Sigrun Reese von der FDP. Diese Position findet die Landesgeschäftsführerin der Grünen Mecklenburg-Vorpommern völlig richtig. Auch ihre Partei würde sich auf keinen Fall mit der NPD auf ein Podium setzen. Notfalls müssten neue Initiativen aufgebaut werden, in denen die Rechten keinen Zugang haben, erklärt Ulrike Seemann-Katz gegenüber ND. Für den Agarreferenten des BUND Mecklenburg-Vorpommern Burkhard Roloff ist klar, dass man den Rechten in Sachen Umweltschutz nicht auf den Leim gehen darf. Deswegen sagte er seine Teilnahme ebenfalls ab.
Ernst trat mittlerweile als Sprecher der Ökobauern mit der Begründung zurück, er wolle so verhindern, dass die Arbeit der Initiative Schaden nehme. Die NPD hofft indes, von dem Streit zu profitieren. »Wer für Volkserhalt eintritt und A sagt, muss der Gentech-Lobby auf die Finger schauen und damit B sagen. Die NPD tuts«, schreibt die Parteizeitung »Deutsche Stimme«. Unter den 15 Mitgliedern der Initiative »Gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See« sympathisieren nach Angaben des SPD-nahen Online-Dienstes »Blick nach Rechts« knapp die Hälfte mit der NPD.

NPD will »wahre« Umweltpartei sein
Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich die NPD als Umweltpartei zu profilieren sucht. Schon Ende der 70er Jahre mischten so manche Rechtsradikale im Gründungsprozess der Grünen eifrig mit. In Rheinland-Pfalz trat sogar eine NPD-Tarnliste unter dem Namen Grüne an. Daran möchte die NPD jetzt offenbar wieder anknüpfen. Vor zwei Jahren erklärte NPD-Chef Voigt in Berlin, er wolle seine Partei zur wahren Umweltpartei in Deutschland machen.
Gerade in Mecklenburg-Vorpommern findet die NPD dabei ein gutes Umfeld für ihre Propaganda. Es gibt kaum organisierte Umweltverbände vor Ort und auch die Grünen sind in den ländlichen Regionen kaum vertreten. So ist es für die NPD und andere rechte Gruppen leichter, Anhänger zu finden.
Mit Gentechnik beschäftigt sich auch das mittlerweile dritte nationale Umweltschutzheft unter dem Titel »Öko..? Logisch..!« Es wird von so genannten »Freien Nationalisten Altmark-West« in kleiner Stückzahl herausgegeben und befasst sich auch mit grünen Themen wie Atomenergie, Tierschutz und Lebensmittelüberwachung.

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