Keine Kriegseinsätze per Dekret
Eine EU-Armee müsste eine Parlamentsarmee sein, fordert Florian Haenes
Fast unbemerkt hat die Bundesregierung die Zustimmung Deutschlands zur Vertiefung der europäischen Verteidigungspolitik beschlossen. Was als bestärkendes Signal an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron gemeint ist, ist ein Risiko für die Parlamentsarmee der Bundesrepublik. Die Konstruktion, dass eine Armee nicht der Regierung, sondern dem Parlament untersteht, ist in Europa völlig unbekannt. Das EU-Parlament spielt in den Überlegungen zu einer EU-Armee keine Rolle.
Reformer wie Macron, die für die Vision einer europäischen Verteidigungsarmee werben, argumentieren mit den Kosten. Niemand wird ihnen widersprechen, dass ein deutscher Techniker endlich auch französische Hubschrauber reparieren können muss. Auch das ungleich gewichtigere Argument der Reformer ist unwiderlegbar. Nie wieder Krieg in Europa - das war Gründungsauftrag der Union. Die Auflösung nationalstaatlicher Armeen in einer gesamteuropäischen Armee ist folgerichtig.
Die Idee einer EU-Armee ist also großartig. Doch die Armee muss auch kontrollierbar sein; ein Kriegseinsatz per Dekret ist keine Option. Doch das EU-Parlament fristet im Institutionengefüge der EU ein peinliches Nischendasein. Bevor die EU ihre Armee bekommt, muss sie erst einmal ihr Demokratiedefizit beheben.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.