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Kein Ende in Sicht
Jürgen Amendt über die Debatte in Greifswald um Ernst Moritz Arndt
Frage an Radio Jerewan: Hat die Universität Greifswald ihren Namen »Ernst Moritz Arndt« abgelegt? Antwort: Im Prinzip ja, einzelne Gliederungen der Universitas Gryphiswaldensis (so nannte sich die akademische Lehrstätte rund 350 Jahre, bis sie 1815 zur Königlichen Universität wurde) können unter bestimmten Voraussetzungen, die noch näher bestimmt werden müssen, den Zusatz »Ernst Moritz Arndt« auch künftig verwenden. Das ist kein Witz, sondern Realität. Ernst Moritz Arndt (1769-1860) war Freiheitskämpfer gegen Napoleon und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, des ersten Versuchs eines demokratischen Parlaments in Deutschland. Er war aber auch Franzosenhasser und Antisemit.
Doch ging es in dem Streit in Greifswald nicht nur um Arndt. Der Konflikt geht tiefer: Auf der einen Seite ein Teil der Stadt, der sich von »Wessis« und den jungen zugezogenen Studenten bevormundet fühlt, auf der anderen Seite die (berechtigte!) Forderung, einen Namen abzulegen, den sich die Universität 1933 von den Nazis hat verleihen lassen. Diskursfrieden stellt man als Universität aber nicht her, indem man es beiden Seiten recht machen will. Der jetzt gefasste Beschluss ist nicht das Ende im jahrelangen Namensstreit, sondern wird der Auftakt weiterer fruchtloser Debatten sein.
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