Kleines Übel

Uwe Kalbe über die nunmehr amtierende neue Große Koalition

  • Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine Bundesregierung ohne Ambitionen und begleitet von vielen Zweifeln ist am Mittwoch vereidigt worden. Kompromiss wird Methode. Dies zeigt allein das Wahlergebnis Angela Merkels. Mit nur neun Stimmen über der absoluten Mehrheit kündet es vom Konfliktpotenzial in der neuen Großen Koalition. Dass Merkel nicht sicher sein kann, ob ihre erbittertsten Gegner in der SPD oder nicht vielleicht sogar in den eigenen Reihen sitzen, dürfte es für die alte und neue Kanzlerin kaum leichter machen.

Die Lage der SPD ist allerdings nicht besser. Sie ist noch genauso trüb, wie es die Bundestagswahl vor einem halben Jahr auch den Letzten in ihren Reihen vor Augen geführt hat. Staatspolitische Verantwortung hat die Partei nun nach einigem Zaudern erneut an Merkels Seite getrieben und bestätigt den Menschen im Land, dass die Verhältnisse zu bewahren, nicht sie zu ändern, erste Sorge der Akteure ist. Ein Motiv, das eine wachsende Zahl von Menschen ihnen übelnimmt - was kaum dadurch gemildert wird, dass auf der Gegenseite die CDU mit dem Vorwurf angeblicher Sozialdemokratisierung konfrontiert ist. Man könnte dies alles als bizarre Verformung politischer Gewissheiten in Kauf nehmen, wenn es nicht begleitet wäre von zunehmender Gefahr. Von der Gefahr, dass die berechtigte Enttäuschung der Menschen, denen es gegen alle öffentlich verbreitete Propaganda eben nicht ständig besser geht, den Rechtsdrall in der Gesellschaft stärkt. Gut möglich, dass man der Großen Koalition irgendwann nachtrauern wird. Als kleinem Übel.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -