Ein Herz für Afrika

80-Jähriger aus Halle will Ziegelmanufaktur in Senegal bauen

  • Petra Buch, Halle/Saale
  • Lesedauer: 3 Min.

Er hat sich die Finger wund geschrieben, sagt Klaus Duschek und blättert in einem dicken Aktenordner. Darin sind Briefe, Kopien von Mails - an Regierungen, in Deutschland, in Senegal, an das Europaparlament, Wirtschaftsverbände, Parteien, Vereine und sogar Prominente, die öffentlich für Hilfen in Afrika werben. Eine »Lettre d’engagement« mit Stempel aus der senegalesischen Stadt Kolda hält er in der Hand.

Eine konkrete Zusage über Fördermittel zur Finanzierung habe er für sein Projekt noch nicht bekommen. Aufgeben werde er nicht. »Ich kämpfe weiter« sagt der Ingenieur für Ziegel- und Baustofftechnologie. Er will in Senegal eine Ziegelmanufaktur aufbauen und helfen, vor Ort junge Menschen auszubilden, 350 Arbeitsplätze könnten es sein, sagt der Mann aus Halle. Rund 25 000 Euro Fördermittel seien nötig, aus seiner Sicht wenig für das, was man dafür erreichen könne an direkter Hilfe vor Ort.

»Ich habe ein Herz für Afrika«, sagt Duschek, der fließend französisch spricht und afrikanische Muttersprachen versteht. Mit 80 Jahren wirkt er überaus fit und voller Energie. Die Arbeit auf dem afrikanischen Kontinent kennt er aus seinem Berufsleben. Die Strapazen allein des Klimas traue er sich zu - gestählt durch täglichen Sport und diverse Kneipp-Kuren.

Seine Leidenschaft sei von der Ausbildung bis heute der Ziegel. »Der Turm von Babylon wurde daraus gebaut, Ziegelbauten halten Jahrhunderte, sind klimafreundlich«, sagt Duschek, der auch ein Taschenbuch über seine Erlebnisse geschrieben hat. Dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie ist er seit vielen Jahren bekannt, als Referent und Teilnehmer von Tagungen, so eine Sprecherin. In der Fachzeitschrift des Verbands sei häufig über seine Projekte in Afrika und Lateinamerika berichtet worden.

In Afrika wolle er erreichen, sagt Duschek, dass die Menschen mit ihren eigenen Händen gebrannte Ziegel fertigen und so Häuser anstatt Lehmhütten errichten könnten. Der Beruf des Zieglers in einer Manufaktur sei innerhalb von zwei Monaten erlernbar, meint der Fachmann im Unruhezustand. Seine Familie kenne ihn nicht anders als rastlos. »Meine Frau sagt, ich hab ’nen Vogel, wenn ich davon rede, wieder für mehrere Monate von zu Hause wegzugehen, um zu arbeiten«, lacht der Mann mit der Stimme eines Tenors. Er singe seit Jahren als Hobby in einem Männerchor.

Hinter seinem beruflichen Engagement stehe die Familie, betont er. Doch müsse er als Rentner die Strapazen der langen Reise auf sich nehmen? »Ja«, sagt er. »Ich will etwas tun, um den Menschen vor Ort zu helfen.« Konkrete Erfahrungen habe er durch den Aufbau von Ziegelfabriken seit 1971 gesammelt. Er war für ein DDR-Kombinat in Afrika tätig, wo er in Kongo (Brazzaville) ein schon im Elefantengras versunkenes Ziegelwerk wieder in Gang gebracht habe. Nach 1990 habe er in Nigeria, Bolivien, Indien, Lettland und Rumänien gearbeitet. 2005 habe er eine Ziegelmanufaktur in Kananga (Kongo) eingerichtet. Mit seiner Hilfe ausgebildete junge Menschen hätten dort rund 44 000 Ziegel in Handarbeit geformt und gebrannt, die für den Bau einer Entbindungsstation vorgesehen waren. dpa/nd

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