Facebook muss Chats öffnen
Grundsatzurteil zum digitalen Erbe
Karlsruhe. Das soziale Netzwerk Facebook muss den Eltern einer verstorbenen 15-Jährigen die Chatnachrichten der Tochter aushändigen. Der digitale Nachlass sei zu behandeln wie der analoge, urteilte der Bundesgerichtshof am Donnerstag.
Im konkreten Fall hatte Facebook das Profil der Tochter in den »Gedenkzustand« versetzt und den Eltern unter Verweis auf den Datenschutz der Chatpartner der Tochter die Einsicht verwehrt. Der Datenschutz, der nur für lebende Personen gelte, greift aber gegenüber dem berechtigten Interesse der Erben nicht, so der BGH. Facebook-Nutzer müssen auch zu Lebzeiten damit rechnen, dass sich Unbefugte Zugang zum Facebook-Konto verschaffen. Auch ein Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis liege nicht vor, weil die Eltern als Erben nicht mitlesende »Dritte« seien, sondern als Erben in die tote Person »einrücken«. nd Kommentar Seite 4
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.