Senat will Programm für soziale Träger auflegen
Durch Neubau soll der große Mangel an Wohnungen für Wohnungs- und Obdachlose verringert werden
Neue Angebote für wohnungslose Menschen scheitern immer öfter am Wohnungsmangel. Rot-Rot-Grün hat deshalb vor Kurzem angekündigt, neue digitale Vermittlungsplattformen aufzubauen, um den Bedarf besser zu decken. Doch auch die beste Vermittlung nützt wenig, wenn es immer weniger Wohnungen gibt, die als sogenannte Trägerwohnungen von den Sozialverbänden angeboten werden können.
Laut der Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des FDP-Abgeordneten Thomas Seerig, die am Montag veröffentlich wurde, ist Rot-Rot-Grün die Lage auf dem angespannten Wohnungsmarkt für die sozialen Träger bekannt. »Dies liegt unter anderem daran, dass das Angebot an Wohnungen zur Unterbringung bedürftiger Personen aufgrund der weiter angespannten Lage am Wohnungsmarkt und des damit verbundenen Mietpreisanstiegs enger geworden ist«, erklärte Wohn-Staatssekretär Sebastian Scheel (LINKE).
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erarbeitet der Senat gegenwärtig im Rahmen des sogenannten SIWANA-Förderprogramms, das sich aus Haushaltsüberschüssen der vergangenen Jahre speist, an einem Pilotprogramm zum experimentellen Geschosswohnungsneubau, durch das auch zusätzliche Trägerwohnungen im Neubausegment entstehen sollen. Außerdem soll noch in diesem Jahr ein Runder Tisch unter Beteiligung der städtischen Wohnungsbaugesellschaften sowie der Fachverwaltungen zusammenkommen, um eine Verbesserung der Situation für die sozialen Verbände zu erzielen.
Wie groß der Bedarf ist, zeichnete sich bereits zu Beginn dieses Sommers ab. »Der Mangel geht so weit, dass wir keine Räume für weitere Notübernachtungen für Familien finden«, hatte die Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg, Barbara Eschen, seinerzeit an einem Beispiel dargelegt. Das Absurde: Der Senat hatte sogar bis zu 1,2 Millionen Euro für zwei weitere Projekte in diesem Bereich zur Verfügung gestellt, um insgesamt rund 100 Plätze für Familien ohne ein Dach über dem Kopf anbieten zu können. »Doch wir können das nicht umsetzen, weil wir auf dem Wohnungsmarkt bisher keine Räume dafür finden«, sagte Eschen damals. So blieb es nach dem Ende der Kältehilfe-Saison in diesem Sommer zunächst bei 32 Plätzen für Familien ohne Wohnung. Der Bedarf liegt aber weit darüber.
Durch das Fehlen von Wohnungen für die Sozialorganisationen ist auch die Obdachlosigkeit in der Hauptstadt im Sommer deutlich sichtbarer. Zwischen 4000 bis 6000 Menschen leben auf der Straße. Als Wohnungslos gelten bis zu 50 000 Menschen.
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