Zeitenwende im DAX

Kurt Stenger über Banken als Lachnummer

Deutsche Privatbanken haben sich auch zehn Jahre nach dem Lehman-Brothers-Crash nicht von der Finanzkrise erholt. Mit ihren altmodischen Geschäftsmodellen sind sie auch an der Börse in Ungnade gefallen. Der Rauswurf der Commerzbank aus dem deutschen Leitindex DAX dürfte der letzte Beleg dafür sein. Die kleinere der letzten beiden verbliebenen deutschen Großbanken wird gar zur Lachnummer, da sie einem den meisten wohl völlig unbekannten Unternehmen namens Wirecard weichen muss.

Zumindest Börsianer gehen davon aus, dass sich in der Finanzindustrie eine Zeitenwende vollzieht. Fintech-Unternehmen wie Wirecard, die voll auf den Zahlungsverkehr via Smartphone, Kreditkarte und Computer setzen, hängen die alten Bankdinosaurier entweder ab oder machen sie gar überflüssig, so das Credo. Bargeldzahlungen und Überweisungen, die womöglich auch noch gebührenpflichtig und tagelang unterwegs sind, werden in der von anderen Anbietern beherrschten neuen Online-Finanzwelt nicht mehr benötigt.

Man sollte aber nicht vergessen, dass dies eine reine Spekulation, also eine Börsenwette auf die Zukunft ist. Zumindest das Bezahlen mit dem Telefon wird von Verbrauchern bislang kaum angenommen. Auch sollte man nicht vergessen, dass Wirecard bei Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl ein Zwerg im Vergleich zur Commerzbank ist. Und wie war es doch vor der Lehman-Pleite? Da waren die Großbanken die Stars an der Börse.

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