Kämpfen statt feiern

Kontra: Marie Frank sieht am 8. März keinen Grund zur Freude

  • Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Feiertag ist laut Duden ein jährlich wiederkehrender Gedenktag oder ein Tag, an dem jemand etwas besonders Schönes erlebt. Nun ist der Internationale Frauenkampftag am 8. März wahrlich nicht entstanden, weil die Frauen etwas Schönes erlebt haben. Vielmehr entstand er Anfang des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Sozialistin Clara Zetkin im Kampf um Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Der Kampf um Gleichberechtigung ist auch mit der Einführung des Frauenwahlrechts noch lange nicht vorbei und so ist der 8. März heute auch kein Tag des Gedenkens, im Gegenteil: Es ist der Tag, an dem wir Frauen für unsere Rechte und für wahre Gleichberechtigung kämpfen. Es ist unser Kampftag und kein Feiertag, denn es gibt keinen Grund zu feiern, aber viele Gründe zu kämpfen.

Es wurde auch Zeit!
Pro: Jérôme Lombard freut sich über den neuen Feiertag

Ständig werden wir diskriminiert, unterdrückt und ausgebeutet. Tagtäglich wird versucht, uns mit verletzenden Witzen, Kommentaren, Übergriffen und körperlicher Gewalt klein zu machen. Obwohl Frauen immer noch die Hauptlast der Care-Arbeit tragen und unzählige Stunden an Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit leisten, kann von Wertschätzung keine Rede sein: Care-Arbeit bleibt entweder unsichtbar oder wird schlecht bezahlt, noch immer verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer und so reicht die Rente nur für die wenigsten Frauen zum Leben. Gründe genug, sich das nicht länger gefallen zu lassen, deshalb wird in diesem Jahr erstmals auch in Deutschland ein bundesweiter Frauenstreik organisiert. Nur: Was bringt ein Streik, wenn sowieso frei ist? Die streikenden Frauen werden unsichtbar bleiben, wie so oft. Mit der Einführung des 8. März als Feiertag wird das revolutionäre Potenzial dieses wichtigen Tages gelähmt und diejenigen belohnt, die an unserer Unterdrückung schuld sind: die Männer.
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