Tschechischer Politiker sorgt mit Holocaust-Vergleich für Empörung

Umsetzung europäischer Richtlinien in nationales Recht sei wie die Arbeit eines »jüdischen Ausschusses«

  • Lesedauer: 1 Min.

Prag. Der tschechische Parlamentsabgeordnete Vaclav Klaus junior hat mit einem Holocaust-Vergleich für Empörung gesorgt. Das berichtete die Zeitung »Lidove noviny« am Mittwoch. Der Sohn des früheren Präsidenten Vaclav Klaus zog demnach eine Parallele zwischen der Umsetzung europäischer Richtlinien in nationales Recht und der Arbeit eines »jüdischen Ausschusses«, der die Leute habe aussuchen müssen, die mit dem nächsten Transport ins KZ fahren werden.

»Wir entscheiden nur, dass wir die kranken Frauen noch nicht schicken, sondern erst mit dem nächsten Zug - aber ansonsten machen wir einfach das, was man uns sagt«, erklärte Klaus in der Debatte über die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU. Der Vorsitzende der Bürgerdemokraten (ODS), Petr Fiala, bat daraufhin für den unpassenden Vergleich seines Parteikollegen um Entschuldigung. Andere Politiker riefen Klaus auf, sich mit der Funktionsweise der EU vertraut zu machen. Der frühere Gymnasialdirektor Klaus junior ist seit 2017 Abgeordneter.

Das nationalsozialistische Deutschland war am 15. März 1939 in Prag einmarschiert. Von den rund 80.000 aus der früheren Tschechoslowakei deportierten Juden überlebten nur etwa 11.000 den Holocaust. dpa/nd

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.