- Politik
- Tilman Kuban
Rechtsaußen wird JU-Chef
Personalie
Tilman Kuban galt als Außenseiter im Rennen um den Vorsitz der Jungen Union (JU). Am Wochenende konnte sich der 31-jährige niedersächsische JU-Landesvorsitzende aber dann doch gegen den Thüringer JU-Chef und Landtagsabgeordneten Stefan Gruhner durchsetzen. 200 von 319 Delegierten stimmten für den Nachwuchspolitiker. Und damit für eine deutliche Rechtsaußenpositionierung sowie gegen einen erstmaligen ostdeutschen Homosexuellen an der Spitze und gegen die CDU-Chefin Angela Merkel.
Kuban hatte in seiner Bewerbungsrede in Richtung zahlreicher Gegner ausgeteilt. Seine Sprüche schienen sich dabei nur graduell von denen der AfD zu unterscheiden. Kleine Auswahl: Es ging gegen Linke, die »lieber für die Schultoilette des 3. bis 312. Geschlechts kämpfen oder sich um die Verkleidung am Karneval kümmern«, aber auch gegen den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. »Kevin - mach dein Studium fertig, dann kannst du dir eine eigene Wohnung leisten«, polterte der Politiker.
Es könne auch nicht sein, dass Ursula von der Leyen (CDU) mehr Kinder als funktionierende Flugzeuge habe, sagte der Niedersachse Kuban in Anspielung auf die siebenfache Mutter und Verteidigungsministerin. Die Junge Union wiederum dürfe nicht zulassen, dass sich die Regierung mehr mit sozialen Wohltaten als mit Zukunftsthemen beschäftige.
Noch sitzt Kuban im Rat der Stadt Barsinghausen, das dürfte sich jedoch bald ändern. Der studierte Jurist kandidiert derzeit für das EU-Parlament - auf einem aussichtsreichen Listenplatz. Der Politiker hatte zuvor die Rechtsabteilung bei den Unternehmerverbänden Niedersachsens geleitet und sich als Trainer und Schiedsrichter engagiert.
Unterstützung bei der Wahl bekam Kuban vor allem vom bayerischen JU-Verband, der Kanzlerin Angela Merkel ausdrücklich kritisiert. Schon 2015 unterzeichnete der 31-Jährige einen Brief von Unionspolitikern, die forderten, Flüchtlinge an der deutschen Grenze abzuweisen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.