Michael statt Mohammed

Wolfgang Hübner über eine Luftnummer der AfD

Dass Ausländer, zumal Flüchtlinge, kaum etwas anderes bringen als Unheil, ist erwiesen - jedenfalls für die AfD. Die saarländischen Rechtspopulisten glauben deshalb auch nicht der Polizeistatistik, derzufolge im kleinsten deutschen Flächenland 2017 der Anteil der Zuwanderer an allen Straftaten bei 7,1 Prozent lag.

Fake-Statistik, dachten sich die drei rechten Abgeordneten im Saarbrücker Landtag und nahmen sich die Rubrik jener Straftaten vor, bei denen Messer zum Einsatz kamen. 1201 solche Straftaten wurden von Januar 2016 bis April 2018 registriert; in 842 Fällen waren die Täter Deutsche.

Aber das, sagten sich die AfDler, die sich nicht so billig reinlegen lassen, muss gar nichts heißen, denn Deutsche - das könnten natürlich auch Migranten sein, und bei Migrant und Messer fällt der AfD offenbar allerhand ein. Deshalb wollte sie von der Landesregierung wissen, ob es bei den Tätern eine Häufung bestimmter Vornamen gibt.

Die gute Nachricht für die AfD: Ja, eine Häufung gibt es, und zwar ganz eindeutig. Die schlechte Nachricht: allerdings komplett anders als erwartet (oder erhofft?). Die Namenshitliste der saarländischen Messerstecher nämlich sieht so aus: Michael, Daniel, Andreas, Sascha, Thomas, Christian, Kevin, Manuel, Patrick, David, Jens, Justin, Sven. Kein Mohammed, kein Mesut, kein Farid unter den Top 13. Sagt die Polizei mit Verweis auf ihre Datenbanken.

Wahrscheinlich Fake-Datenbanken, denn die AfD forscht unermüdlich weiter und verlangt die Herausgabe zusätzlicher erhellender Details. Jeder blamiert sich eben, so gut er kann. Und die AfD kann es besonders gut.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -