Geschichtspolitik von oben

Jana Frielinghaus über die Aufregung um die Besetzung der Kommission »30 Jahre Friedliche Revolution Deutsche Einheit«

Nein, nett ist es nicht, dass LINKE und Grüne keinen Platz in dem Gremium haben, das die Jubelfeiern zu 30 Jahren »Wende« und »Wiedervereinigung« konzipieren soll. Aber zumindest der LINKEN sollte klar sein, dass die Geschichtspolitik so oder so weiter von der Regierung und staatlichen Institutionen wie der Stiftung »Aufarbeitung der SED-Diktatur« bestimmt wird.

Es mag ein neuer Ton in die historische Debatte gekommen sein: Ostdeutsche fordern eine stärkere Wahrnehmung ihrer »Identität«, und Kommissionschef Matthias Platzeck hat vorgeschlagen, ein »Zentrum Aufbruch Ost« einzurichten, das »Stein gewordener Respekt« vor der »Lebensleistung« derer sein soll, die vermeintlich die DDR wegdemonstriert und »das vereinigte Deutschland aufgebaut« haben. Letztlich aber ging und geht es weiter um die Delegitimierung des ersten sozialistischen Versuchs auf deutschem Boden, und zwar mit allen zur Verfügung stehenden propagandistischen Mitteln. Für eine differenzierte Betrachtung von Errungenschaften wie Versagen und Repressalien gegen Andersdenkende ist da nach wie vor kein Platz. Ein Fortschritt wäre es, wenn wenigstens die LINKE den Mut aufbrächte, das verordnete Narrativ vom Unrechtsstaat nicht mehr nachzubeten. Einige wenige westdeutsche SPD-Politiker und Juristen haben das vorgemacht.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -