Als Krankheit geadelt

Ulrike Henning über verfrühte Hoffnungen in Sachen Online-Spielsucht

  • Ulrike Henning
  • Lesedauer: 1 Min.

Das internationale Diagnoseverzeichnis ICD11 wurde bei der jetzt in Genf stattfindenden Weltgesundheitsversammlung um die Online-Spielsucht erweitert. Das Kürzel dafür, 6C51, könnte also künftig auf dem Krankenschein stehen.

Super, sagen sich manche Gamer schon heute, dann hätte ich noch mehr Zeit zum Zocken. So einfach dürfte es nicht sein - vielleicht aber doch. Auch für die ähnlich gelagerte Glücksspielsucht sind die Therapieangebote nicht gerade überwältigend, obwohl diese schon länger die Aufmerksamkeit von Medizinern hat. Aber selbst Spieler, die als Folge ihrer Sucht Familie und Beruf verloren haben, sind nicht unbedingt für eine Therapie erreichbar. Zudem ist die Rückfallquote hoch. So ist der Teufelskreis perfekt: Wer tatsächlich süchtig ist, also länger als ein Jahr alle Aspekte seines Lebens dem Spielen unterordnet und auch bei negativen Konsequenzen nicht aufhören kann, dem hilft eine Krankschreibung allein nicht. Mit der ICD11-Erweiterung hoffen viele Ärzte nun, dass unter anderem Forschung und Prävention verstärkt werden. Bis zu regelhaften Therapieangeboten ist es dann immer noch ein weiter Weg, auch wenn Gesundheitsminister Jens Spahn ins Blaue hinein schon jetzt von der Erstattung der Kosten durch die Krankenkassen fabuliert.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -