Wer den Hass sät

Ines Wallrodt über Angriffe auf Politiker

Anschläge auf Bürgerbüros, Hasskommentare im Netz bis hin zu »Doxing«, dem Veröffentlichen persönlicher Daten im Netz - das sind Erfahrungen, die Politiker aller Parteien teilen. Mehr als 1200 politisch motivierte Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger im vergangenen Jahr sprechen für sich: In seltener Einigkeit wollen CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP nun gemeinsam gegen die zunehmenden Angriffe auf Politiker vorgehen. Konkrete Maßnahmen verabredeten die Bundestagsparteien bei ihrem ersten Treffen am Donnerstag nicht. Aber sie wollen etwas auf den Weg bringen. Der Vorschlag der Grünen, das Meldegesetz zu ändern, um Privatadressen von Politikern zu schützen, wäre ein Anfang.

In kleineren Orten, wo jeder jeden kennt, dürfte das allerdings wenig helfen. Hasskriminalität muss juristisch wirksamer verfolgt werden und darf nicht länger als Kavaliersdelikt gelten. Nötig sind auch symbolische Gesten, die den Betroffenen den Rücken stärken - gemeinsam Haltung zeigen, wie es der CSU-Generalsekretär formulierte. Zu dieser klaren Haltung gehört denn auch, dass die AfD nicht zu diesem Treffen eingeladen war. Die Begründung ist richtig: Die Partei schürt Hass und Hetze. Sie ist Teil des Problems. Und doch: Wenn damit die Schuldfrage abgeladen werden sollte, wäre das zu leicht. Wenn Union, FDP und SPD der zunehmenden Verrohung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen wollen, müssen sie auch nach der eigenen Verantwortung fragen. Dafür, dass sich viele Menschen vom politischen System nicht vertreten fühlen, für das tiefe Misstrauen gegenüber etablierten politischen Organisationen, für autoritäre, inhumane Gesellschaftsentwürfe. Auf direktem Wege wird man all dem nicht beikommen, dafür wäre Einigkeit in weitaus größeren Fragen nötig.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -