Ist das Kunst? Das kann weg!

Thomas Blum über die Debatte um Roman Polanski

  • Thomas Blum
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Kontroverse ist eine alte: Kann man das Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin auch dann wertschätzen, wenn der oder die Betreffende Verbrechen begangen hat oder durch menschenfeindliche Überzeugungen aufgefallen ist? Derzeit wird über diese Frage am Beispiel des Filmregisseurs Roman Polanski diskutiert, dem Vergewaltigungsvorwürfe gemacht werden, die dieser zurückweist.

Die »César«-Akademie, die alljährlich Frankreichs wichtigsten Filmpreis verleiht - das nächste Mal am 28.Februar -, hatte Polanskis neuen Film »Intrige« in zwölf Kategorien nominiert, unter anderem als »besten Film« und für die »beste Regie«. Woraufhin zahlreiche Filmschaffende mit einem offenen Brief, der in der Zeitung »Le Monde« publiziert wurde, protestierten und »verkrustete Strukturen« in der Filmbranche beklagten.

Nun hat soeben die Führung der Akademie kollektiv ihren Rücktritt angekündigt. Man wolle »wieder Ruhe einkehren lassen«, heißt es, und dass »das Fest des Films ein Fest bleibt«. Man muss sich fragen, wem die Kunst gleichgültiger ist: Jenen, die nicht in der Lage sind, ein Kunstwerk vom Künstler zu trennen (etwas, das Studierende für gewöhnlich spätestens im ersten Semester beigebracht bekommen)? Jenen, die einen Künstler vorverurteilen, bevor dessen Schuld gerichtlich geklärt ist? Jenen, die ein Kunstwerk aus dem idiotischen Grund verdammen, weil dessen Hersteller eine ihnen unliebsame Figur ist? Oder jenen armseligen Kulturfunktionären, die sich in unverbindliche Phrasen (»Fest des Films«) flüchten, sobald es darum ginge, bedingungslos auch die Kunst jener zu verteidigen, die gerade eine öffentliche Ächtung erfahren?

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