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Hilfsgelder für die Armen

Ultrarechte Regierung mit sozialen Akzenten

  • Knut Henkel
  • Lesedauer: 2 Min.

Humberto Pacosillo Mamani steht vor der Klinik Chocatalla in El Alto. Der Radiojournalist ist heute in der Boomtown oberhalb von La Paz unterwegs, um zu dokumentieren, wie die sanitären Notstandsmaßnahmen in der vom Handel lebenden Stadt, die lange für Armut und Kriminalität verschrien war, angenommen werden. «Anders als oft berichtet, gibt es hier keine Übergriffe von Straßenhändlern auf Polizisten. Selbst auf dem größten Open-Air-Markt, dem 6. de Julio, packen die Händler gegen Mittag ihre Sachen ein und gehen. Die Leute haben begriffen, dass die Maßnahmen der Regierung in ihrem Interesse sind», so der Journalist von «Tele Estrella». Pacosillo Mamani lebt selbst in El Alto, wo der am 17. März verkündete sanitäre Notstand tief in das vom informellen Handel geprägte Leben eingreift.

Die medizinische Infrastruktur in Bolivien ist denkbar schlecht vorbereitet auf eine Pandemie. Acht Intensivbetten gibt es laut der Gesellschaft für Intensivtherapie in El Alto - 100 sollten es laut den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens für eine Million Einwohner sein. El Alto hat Schätzungen zufolge eine bis 1,3 Millionen Einwohner. Landesweit stehen rund 330 Intensivbetten für 11,3 Millionen Bolivianer*innen zur Verfügung. Hinten und vorne zu wenig und genau deshalb hat die erzkonservative Interimsregierung sich für die rigide Durchsetzung der Quarantäne durch Militärpatrouillen entschieden: «Das funktioniert, die niedrigen Infektionsquoten sind Beleg dafür», so Raúl Peñaranda, Redaktionsleiter des Online-Mediums «Brújula Digital».

300 Infizierte und 24 an Covid-19 Gestorbene hat Bolivien bisher gemeldet. Im regionalen Vergleich mit Peru, Chile oder Ecuador sehr wenig. «Ein Erfolg, der auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Regierung der De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez die Quarantäne mit Sozialleistungen abgefedert hat. Für jedes schulpflichtige Kind zahlt die Regierung umgerechnet 61 US-Dollar an die Familien. Das ist eine Maßnahme. In einem zweiten Schritt erhalten 1,6 Millionen als arm registrierte Familien einen Nahrungsmittelzuschuss in Höhe von 400 Bolivianos (etwa 54 Euro). »Die beiden Maßnahmen sorgen dafür, dass die im informellen Sektor arbeitenden Menschen wirklich zu Hause bleiben können - das ist die Basis des Erfolgs«, urteilt Rául Peñaranda. Eine Einschätzung, die nicht nur sein Kollege Humberto Pacosillo Mamani, teilt, sondern auch viele Gesundheitsexperten. Von denen, darunter auch WHO-Repräsentanten, beraten seit Anfang März mehrere die Regierung.

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