Beschuss mit Salzkristallen aus dem Meer

Aufgehellte Wolken sollen das gefährdete Great Barrier Reef retten.

  • Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Klimawandel heizt auch die Ozeane. Zu warmes Wasser gefährdet weltweit die Korallen. Das berühmte Great Barrier Reef im Nordosten von Australien bleicht derzeit beispielsweise zum dritten Mal in nur fünf Jahren. Die Nesseltiere leben normalerweise in Symbiose mit einer Algenart, die sie mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht. Bei zu hohen Temperaturen sterben die Algen ab - und damit nicht selten auch die Korallen. Forscher arbeiten deswegen fieberhaft an Lösungen, die das größte Riff der Erde retten könnten, das die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten ist. Eine auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutende Idee gibt australischen Forschern nun Hoffnung.

So testeten Wissenschaftler der Southern Cross University in Australien Prototypen eines »Wolkenaufhellungsgerätes«. Das Experiment verwendet laut einem Bericht der englischen Tageszeitung »Guardian« eine modifizierte Turbine - vergleichbar mit einer Schneekanone. Diese sprüht mithilfe von 100 Hochdruckdüsen Billionen von Salzkristallen in die Luft. Diese winzigen, aus Meersalz gewonnenen Kristalle vermischen sich mit Wolken in geringer Höhe, hellen sie auf und reflektieren das Sonnenlicht weg von der Meeresoberfläche in den Weltraum.

Daniel Harrison, der das Projekt an der Southern-Cross-Universität leitet, sagte, dass die Technologie, die im März mit Genehmigung der Great Barrier Reef Marine Park Authority eingesetzt wurde, vielversprechend sei. Sie sei kostengünstig, könne in großem Maßstab eingesetzt werden und setze einen Prozess in Gang, der auch natürlich vorkomme. »Die Natur erledigt den größten Teil der Arbeit«, sagte er dem »Guardian«.

Das Projekt ist eines von 43 Konzepten, die derzeit im Rahmen eines von der australischen Regierung unterstützten Forschungsprogrammes finanziert werden. Die Zeit drängt, da das Great Barrier Reef die dritte Bleiche in nur fünf Jahren erlebt. Nachdem es bereits 2016 und 2017 unter zwei schweren Bleichen in Folge litt, fürchten Forscher nun um die verbleibenden Nesseltiere, die bisher überlebt haben.

Dass ihre Befürchtungen nicht unbegründet sind, zeigen erste Untersuchungen: Demnach scheint die aktuelle Bleiche noch einmal intensiver und weitläufiger als frühere Ereignisse. Australische Forscher, die das Ausmaß Ende März dokumentierten, sprachen in einem Artikel des Wissenschaftsmediums »The Conversation« sogar von einer »absoluten Tragödie«.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher in den letzten zwei Märzwochen 1036 Riffe aus der Luft, um das Ausmaß und den Schweregrad der Korallenbleiche zu messen. Das Ergebnis: »Zum ersten Mal hat eine starke Bleiche alle drei Regionen des Great Barrier Reef getroffen - den nördlichen, zentralen und einen großen Teil des südlichen Sektors«, sagte Terry Hughes, ein Korallenexperte der australischen James-Cook-Universität. Der südliche Teil war bei den vergangenen zwei Bleichen verschont geblieben.

Korallen bleichen, wenn die Meerestemperaturen in ungewöhnlich heißen Sommern zu sehr ansteigen. In diesem Jahr registrierte man im Februar die höchsten monatlichen Meeresoberflächentemperaturen, die jemals seit Beginn der Aufzeichnungen der australischen Wetterbehörde im Jahr 1900 am Great Barrier Reef gemessen wurden.

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