Twitter geht gegen Verschwörungstheorien vor

Mit einer mehrstufigen Kennzeichung soll vor der Mythenbildung schützen.

  • Daniel Lücking
  • Lesedauer: 2 Min.

Nachdem bereits Youtube Videos von Verschwörungstheoretikern gelöscht hatte, kündigte nun auch Twitter an, gegen die Verbreitung von Verschwörungstheorien vorzugehen. Der Kurzbotschaftendienst will dabei ähnlich vorgehen wie das Onlinenetzwerk Facebook. Künftig sollen demnach »irreführende« und »umstrittene« Aussagen in mehreren Abstufungen gekennzeichnet werden. Je nach Schadensrisiko solle Tweets eine Warnung vorgeschaltet werden. Der Philosoph Jan Skudlarek begrüßt das Handeln der Plattformen. Er hat sich in seinem Sachbuch »Wahrheit und Verschwörung - wie wir erkennen, was echt und wirklich ist« mit den Gefahren von Verschwörungstheorien befasst.

»Es handelt sich momentan nicht nur um falsche Beschreibungen der Wirklichkeit oder einfach eine andere Meinung«, sagte Skudlarek dem »nd«. Das zeigten nicht zuletzt die Äußerungen von Teilnehmern der Demonstrationen am Wochenende in Berlin: »Da wird von Umsturz fantasiert und ein Untergang herbeigeredet bis hin zum Einsatz von Waffen. Da werden Handlungsempfehlungen gegeben, Militanz und Märtyrerfantasien ausgelebt.«

Die Anfälligkeit für Verschwörungstheorien resultiere oft aus dem Gefühl von Kontrollverlust: »Oft geht es auch darum, die komplexe, uneindeutige Wirklichkeit zu vereinfachen. Heraus kommt ein Schwarz-Weiß-Denken mit klarem Feindbild.« Je weiter radikalisiert Menschen seien, desto weniger seien sie beeinflussbar.

Skudlarek sieht in der derzeitigen Ausbreitung deutliche Parallelen zu rechten Kampagnen, die in den letzten Jahren in Gewalt gipfelten. Ein Beispiel seien die gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz im August 2018, aber auch die Aktivitäten der rechten Pegida-Bewegung.

»Wir haben es hier mit einer lauten Minderheit zu tun, die versucht, den Diskurs zu kapern, sich dabei aber größer macht, als sie ist«, beschreibt Skudlarek den »Megafoneffekt« der Onlinemedien. Der daraus erwachsenden Verantwortung dürften sich die Betreiber nicht entziehen.

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