- Politik
- Pandemie und Shampoo
Festshampoo statt Plastikflasche?
DR. SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT: Die klassische Seife ist auf dem Rückmarsch
Es gibt neuerdings Shampoos, die nicht flüssig, sondern fest sind. Im Kampf gegen den Plastikmüll. Hast du sowas schon ausprobiert?
Ich nicht, aber meine Frau.
Schäumt es gut?
Ja. Du reibst dir das in die Haare, bis es schäumt. Das ist vom Ablauf her nicht anders als beim flüssigen Zeugs. Aber so neu ist es gar nicht. Das gab es früher schon im Bioladen. Und jetzt in den großen Drogeriemärkten.
Muss man sich das so vorstellen wie Rasierseife am Stück statt aus der Tube oder Dose?
Ja. Wobei Rasierschaum ohnehin überschätzt wird.
Warum?
Eigentlich reicht es, wenn die Stoppeln gut eingeweicht sind. Wenn du dich nach dem Duschen gleich rasierst, brauchst du keinen Schaum.
Die klassische Seife ist auf dem Rückmarsch.
Ja. Und der zuletzt größte europäische Hersteller von Seifenstücken ist voriges Jahr insolvent gegangen. Immerhin gibt es Hoffnung für Seifendosenhersteller: Wenn du mit Festshampoo und Festduschbad auf Reisen gehst, musst du in Seifendosen investieren.
Aber in der Pandemie war die klassische Seife die letzte Rettung. Es gab nicht nur die Klopapierkrise, sondern auch die Flüssigseifenkrise, die war nämlich weg. Nach 25 Jahren habe ich wieder zum Seifenstück gegriffen. Für das Händewaschen fand ich es sogar angenehmer, man konnte die 30 Sekunden besser runterzählen.
Vielleicht liegt es auch am harten Wasser in Berlin? Deswegen wäscht sich die Seife hier auch viel besser ab als in - sagen wir mal - Thüringen, wo es weiches Wasser gibt. Dafür brauchst du dort aber weniger Seife. Das ist besser für die Haut.
Es gibt doch auch seifenfreie Seife. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Diese Waschstücke, wie man die ja auch nennt, sind chemisch gesehen keine Seifen, sie enthalten andere Arten von Tensiden, wie auch diese Festshampoos und Festduschbäder.
Tenside? Was ist das?
Ein Tensid ist ein Molekül mit einer Seite, die wasserfreundlich ist, und einer, die fettfreundlich ist. Auf diese Weise wird das Fett von den Haaren oder von der Haut abspülbar, und damit auch das, was wir für Schmutz halten und was vielleicht auch welcher ist.
Können wir uns auch mit der Seife aus einer Seifenblase waschen?
Eher nicht. Es gibt zwar Seifenblasen, die dürften die gleiche Oberflächengröße erreichen wie unser Körper, aber wie kriegst du die dann wirklich nahtlos darauf? Das wird doch eher schwierig.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.