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Bewusste Missachtung

Stefan Otto über das Fehlen Seehofers beim Integrationsgipfel

Wer wissen will, wie es um die Integration in Deutschland steht, sollte den Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau zuhören. Serpil Unvar etwa, die Mutter eines Ermordeten, sagt, ihr Sohn habe niemals gleiche Chancen gehabt und formuliert ein klares Ziel: Sie wolle eine »Schule ohne Rassismus«. Ihre Rede im August, ein halbes Jahr nach dem Anschlag, ist ein eindrucksvoller Appell an die Politik.

Am Mittwoch fand im Kanzleramt ein Integrationsgipfel statt. Diese Treffen sollen den Austausch zwischen der Bundesregierung und Vertretern der Communities verbessern, was ja eigentlich zu begrüßen ist. Doch wenn dabei wiederholt der für Integration zuständige Innenminister Horst Seehofer (CSU) fehlt, dann lässt das auf eine bewusste Missachtung schließen.

Ignoranz jedoch ist ein schlechter Ratgeber. Spätestens bei der nächsten Pisa-Studie wird sich das zeigen. Dort nämlich schneidet Deutschland immer nur durchschnittlich ab, was teilweise an strukturellen Defiziten der Schulen liegen mag, aber auch an der anhaltenden Diskriminierung. Kinder aus Einwandererfamilien klagen oft darüber. Auch Serpil Unvar sprach davon - und es ist bezeichnend, dass dieser Umstand in der Diskussion um eine bessere Bildung bislang keine Rolle spielt.

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