- Politik
- Anhaltende Proteste in Chile
Nach Polizeischüssen in Beine von Minderjährigen tritt Chiles Polizeichef zurück
Kinder-Ombudsfrau Patricia Muñoz: »Absolut ungerechtfertigter und exzessiver« Schusswaffengebrauch
Santiago de Chile. Nach Polizeischüssen auf zwei Minderjährige in Chile ist der Polizeichef des Landes zurückgetreten. Er habe den Rücktritt von Mario Rozas, dem Chef der Militärpolizei, angenommen, erklärte Präsident Sebastián Piñera am Donnerstag. Die Polizei in dem südamerikanischen Land steht bereits seit Monaten wegen ihres gewaltsamen Vorgehens gegen regierungskritische Demonstranten in der Kritik.
Am Mittwoch hatten Polizisten zwei Jugendliche im Alter von 14 und 17 Jahren in einem Wohnheim für Kinder und Jugendliche in der südchilenischen Stadt Talcahuano in die Beine geschossen. Die Polizei gab an, die Beamten seien mit Stöcken und Steinen angegriffen worden. Der Fall löste landesweit Empörung aus. Die Kinder-Ombudsfrau Patricia Muñoz sprach von einem »absolut ungerechtfertigten und exzessiven« Schusswaffengebrauch.
Teller und Rand ist der neue ndPodcast zu internationaler Politik. Andreas Krämer und Rob Wessel servieren jeden Monat aktuelle politische Ereignisse aus der ganzen Welt und tischen dabei auf, was sich abseits der medialen Aufmerksamkeit abspielt. Links, kritisch, antikolonialistisch.
Chile wird seit Oktober 2019 immer wieder von Massenprotesten erschüttert, gegen die die Polizei teils gewaltsam vorging. Die Proteste begannen, als die chilenische Regierung eine Erhöhung der Fahrscheinpreise im öffentlichen Nahverkehr um 30 Pesos (umgerechnet 3 Cent) verkündete.
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten wurden mehr als 30 Menschen getötet, tausende wurden verletzt. Das UN-Menschenrechtsbüro und Menschenrechtsgruppen haben die Polizeigewalt scharf verurteilt. Die linke Opposition in Chile forderte bereits seit Monaten Rozas' Rücktritt. AFP/nd
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