Warum nicht mal Weltmeister werden

Das deutsche Eishockeyteam startet gegen einen stark dezimierten Gegner in die WM

  • Thomas Lipinski, Riga
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Coronachaos beim ersten WM-Gegner Italien verfolgte Deutschlands Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm sogar bei der Zeitungslektüre aus der finnischen Heimat - seine Spieler ließ es aber kalt. »Wir sind hier, um Eishockeyspiele zu gewinnen«, sagte Jungstar Moritz Seider, »und nicht, um irgendwelche Ausreden zu finden.«

15 Coronafälle hatte es in der WM-Vorbereitung der Italiener gegeben, ihre letzten drei Testspiele mussten daher abgesagt werden. Viele Stammspieler fehlen, der Trainer coacht zudem aus dem Homeoffice. »Das ist für uns nicht wirklich interessant«, betonte Söderholm vor dem Duell an diesem Freitag (15.15 Uhr/Sport1): »Wichtig ist, dass wir einen sauberen WM-Start haben.«

Ob beim Gegner noch »nicht einmal eine zweite Mannschaft« auf dem Eis steht, interessiert den Finnen nicht. Obwohl er genau das im Boulevardblatt »Iltalehti« in seiner Muttersprache hatte lesen können. Sein Landsmann Riku-Petteri Lehtonen, Co-Trainer der Italiener, hatte dort über die große Personalnot seiner Mannschaft geklagt. »Er weiß, dass ich das auch lese«, sagte Söderholm schmunzelnd. »Ich gehe davon aus, dass es an uns adressiert war.«

Die gegnerische Taktik soll nicht aufgehen, seine Spieler sollen den jetzt noch krasseren Außenseiter auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, warnt Söderholm. Die Gefahr bestehe nicht, beteuerte Stürmer Tobias Rieder: »Wir schauen bloß auf uns. Es ist ein kurzes Turnier, es kommt drauf an, dass wir in die Gänge kommen.«

Das Viertelfinale reicht nicht mehr

Der Stürmer aus der NHL und seine Kollegen haben in Riga Großes vor. Das Viertelfinale, das die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes bei den vergangenen vier Turnieren dreimal erreicht hat, soll diesmal nicht Endstation sein. »Ich glaube an mehr«, sagte Nico Krämmer und stimmte in die forschen Töne seiner Mitspieler in den vergangenen Tagen ein: Der künftige NHL-Verteidiger Moritz Seider will »die Sensation schaffen«, der Mannheimer Markus Eisenschmid dem letzten Weltmeister Finnland nacheifern, der 2019 ohne NHL-Stars Gold gewann: »Es spricht eigentlich nichts dagegen, dass wir das auch können.«

Ein Sieg gegen Italien, das in seiner Not sogar einen 16 Jahre jungen Torhüter im Kader hat, ist Pflicht. Besonders hoch müsse er aber nicht ausfallen, so Bundestrainer Sö-derholm: »Solange wir einen Sieg holen, ist es nicht so wichtig, ob es 3:1 oder 8:1 steht. Wichtig ist, dass unsere DNA spürbar ist.« Der Finne wolle Spieler sehen, »die sich füreinander opfern«. Das Wichtigste seien »Arbeit und Mannschaftsgeist«. Zweifel an der Umsetzung hat er offenbar nicht, seine Spieler seien »zu 1000 Prozent bereit«.

Dass bei Italien Leistungsträger wie der Mannheimer Thomas Larkin fehlen und der ebenfalls infizierte Chefcoach Greg Ireland nur online Anweisungen geben kann, spielt dem deutschen Team in die Karten. »Das ist ein Spiel«, sagte Holzer, »das wir gewinnen müssen.« Sorgen um ihre Gesundheit machen sich die Deutschen derweil trotz des Corona-Ausbruchs beim Gegner nicht. »Ich fühle mich super sicher«, sagte Seider. »Wir werden fast täglich getestet, das gibt uns ein sicheres Gefühl.«SID/nd

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