Polnische Helfer

In Berlin berichtet eine Aktivistin von Einsätzen für Geflüchtete

  • Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.

In den letzten Tagen hat die Aufmerksamkeit für die Geflüchteten, die an der belorussisch-polnischen Grenze bei Eiseskälte ausharren, in Deutschland nachgelassen. Dabei versuchen dort weiterhin Tausende Menschen, die Grenze zu überwinden. Mittlerweile ist die Zahl der Toten in zweistellige Höhe gestiegen.

Am Montagabend berichtete eine Aktivistin in Berlin über die schwierige Arbeit des No-Border-Netzwerkes in Polen. Dabei handelt es sich um ein Bündnis von Gruppen und Einzelpersonen, die Geflüchtete unterstützen. Die Aktivistin nennt sich Goja. Sie betonte, die Unterstützer*innenszene in Polen sei politisch sehr heterogen. Sie reiche von einigen Linksliberalen, die sich für die Migrant*innen aus Gründen der Menschenrechte engagieren, bis zu christlichen Gruppen. Allerdings gehört die einflussreiche, aber sehr konservative katholische Kirche nicht zu den Unterstützer*innen. Dort finde vielmehr die Propaganda der rechten polnischen Regierung Gehör, nach der die Geflüchteten als Bedrohung für das christliche Abendland dargestellt werden.

Spaß und Verantwortung

Olga Hohmann versteht nicht, was Arbeit ist und versucht, es täglich herauszufinden. In ihrem ortlosen Office sitzend, erkundet sie ihre Biografie und amüsiert sich über die eigenen Neurosen. dasnd.de/hohmann

Auch Mitglieder linker polnischer Parteien wie Razem beteiligten sich an der Solidaritätsarbeit, so die Aktivistin. Allerdings befürchteten einige Vertreter der Partei, an Unterstützung in der Bevölkerung zu verlieren, wenn man zu stark mit der Unterstützung Geflüchteter identifiziert werde.

Auch Aktivist*innen der feministischen Bewegung in Polen beteiligen sich an der Arbeit des No-Border-Netzwerkes. Ihre Tätigkeit wird allerdings dadurch eingeschränkt, dass Teile der polnischen Regierung noch restriktiver gegen Abtreibung vorgehen wollen. Der Kampf dagegen fordert die Kraft der Frauenrechtlerinnen.

Einige Bewohner*innen der Grenzorte, so Goja, signalisierten mit grünen Lichtern in den Fenstern, dass Geflüchtete bei ihnen willkommen sind. Doch längst hätten auch die Staatsorgane mitbekommen, was das grüne Licht bedeute, und versuchten, gegen diese Menschen vorzugehen. Schließlich sei der Grenzbereich schon lange zum Notstandsgebiet erklärt worden, wo elementare Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden. Auch Presse hat dort bekanntlich seit Langem keinen Zugang mehr.

Die Aktivistin schilderte, wie neben der Polizei auch Bürgerwehren Jagd auf Geflüchtete machen. In ihren Reihen betätigen sich auch bekannte polnische Faschisten. Es seien Fälle bekannt geworden, wo Geflüchtete von ihnen zusammengeschlagen und beraubt wurden. Für das No-Border-Netzwerk sind die Handlungsmöglichkeiten gegen die rechten Umtriebe äußerst beschränkt, sagte Goja. Die Unterstützung durch eine größere Zivilgesellschaft fehle.

Doch solidarische Initiativen aus der Bundesrepublik arbeiten mit dem polnischen Netzwerk zusammen. Die Berliner Veranstaltung wurde von der Gruppe Postkom unterstützt, die sich vor einigen Jahren mit dem Ziel gegründet hatte, emanzipatorische Projekte in Osteuropa bekannt zu machen und zu fördern. In mehreren Stadtteilen in Berlin werden derzeit Schlafsäcke, Decken, Isomatten, Sim-Karten und Handys gesammelt, die dann vom No-Border-Netzwerk an Geflüchtete weitergeleitet werden, denen es gelungen ist, die Grenze nach Polen zu überwinden. Auf der Berliner Veranstaltung wurden 840 Euro für die Geflüchteten gesammelt.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Das »nd« bleibt gefährdet

Mit deiner Hilfe hat sich das »nd« zukunftsfähig aufgestellt. Dafür sagen wir danke. Und trotzdem haben wir schlechte Nachrichten. In Zeiten wie diesen bleibt eine linke Zeitung wie unsere gefährdet. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung nach oben zeigt, besteht eine niedrige, sechsstellige Lücke zum Jahresende. Dein Beitrag ermöglicht uns zu recherchieren, zu schreiben und zu publizieren. Zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.