Nicht für ihre Krise zahlen

Jana Frielinghaus über den Streik der Hafenarbeiter

Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will: In Zeiten der Globalisierung und umfassenden Automatisierung vieler Prozesse funktioniert das nicht mehr so einfach wie vor 100 Jahren. Doch die 12 000 Werktätigen in den deutschen Nordseehäfen malochen tatsächlich noch an einer Position, die ihnen eine beträchtliche Verhandlungsmacht verleiht. Ihr Streik, der an diesem Samstag nach 48 Stunden zu Ende geht, zeigt: Dessen sind sich die Männer und Frauen an der Kaikante, in der Containerlogistik und vielen anderen sensiblen Bereichen bewusst.

Und ihre Wut auf die Hafenbetreiber und ihren Zentralverband ist groß. Mit Recht, denn die legten auch in der siebten, am Mittwoch gescheiterten Verhandlungsrunde kein akzeptables Angebot vor. Nämlich eines, das den Beschäftigten den geforderten echten Inflationsausgleich von 7,4 Prozent für die kommenden zwölf Monate und mindestens genauso viel für das darauffolgende Jahr garantiert hätte. Stattdessen sollen es maximal 12,5 Prozent in 24 Monaten sein, also pro Jahr nur 6,2 Prozent – ohne Nachverhandlungsmöglichkeit. Obendrein wollten die Betriebe den Streik auch noch gerichtlich untersagen lassen – was nicht gelang. Und als wäre das nicht genug, werfen die Verbandschefs den Arbeitern auch noch »Verantwortungslosigkeit« angesichts der Engpässe in den globalen Lieferketten und des Staus bei der Abfertigung von Schiffen vor. Von denen aber profitieren die Hafenbetreiber erheblich, während die Beschäftigten Überstunden schieben und dafür auch noch Reallohnverluste hinnehmen sollen. Also bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als Unternehmern und Aktionären klarzumachen, was auch auf den Transparenten ihrer Großdemo am Freitag in Hamburg zu lesen war: »Wir sind der Hafen!« Will sagen: Ohne uns könnt ihr einpacken.

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