- Kommentare
- Feuerwehr
Retter brauchen selbst Hilfe
Die Krise der Rettungsdienste beruht auch auf Sparpolitik und Krisenangst
Am Ende ist es wie bei den Pflegekräften, den Reinigungskräften, den Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Kinderärzt*innen und vielen anderen auch: Die über Jahrzehnte kaputtgesparte öffentliche Infrastruktur und Daseinsfürsorge ist »nicht krisenfest«, sie verfügt nicht über genügend abrufbare Ressourcen, wenn sich der Bedarf auch nur annähernd verändert. Kaputtgespart heißt aber auch: Vernachlässigung der Nachwuchsausbildung von Rettungskräften, aufgrund von Personalmangel geschlossene Rettungsstellen öffentlicher Kliniken sowie dringend überholungswürdiger Zustand von Technik und Gebäuden.
Dazu kommt die Angst vieler Menschen, dass ihnen im Krankenhaus nicht geholfen werden kann oder dass sie in den regelmäßig überfüllten Notaufnahmen nicht versorgt oder sogar weggeschickt werden. Das ist kein unrealistisches Szenario: Die Kliniken waren und sind heftig überlastet. Diese Situation hat sich im Zuge der Corona-Pandemie noch verschlimmert, zumal einerseits viele Angst hatten, sich dort unter Umständen mit einem Virus anzustecken, das eine weitere schwere Erkrankung verursacht. Auch das führt dazu, dass sich der gesundheitliche Zustand von Menschen verschlimmert und sich dann erst im wirklich unabwendbaren Notfall an die 112 gewandt wird. Auf der anderen Seite sind Menschen im Allgemeinen viel ängstlicher geworden. Vor dem Hintergrundrauschen allgegenwärtiger Krisen scheint vielen das Einschätzungsvermögen dafür abhanden gekommen zu sein, wann es sich wirklich um einen Notfall handelt. Immer mehr Leute sind es gewohnt, dass ihnen per Telefonanruf etwas gebracht wird, sei es nun Pizza oder Pflaster. Schlimm ist zugleich auch, wenn sich Menschen, die zusammen in einem Haus leben, nicht mehr gegenseitig um Hilfe bitten können.
Insofern hat auch die dramatische Situation bei der Berliner Feuerwehr ihre Gründe – und diese sind letztlich dramatisch.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.