Panik in München: Wer hat Angst vor Drags?

Eine Dragqueen und ein Dragking lasen Kindern vor - gerade so

Wer redet eigentlich noch vom guten alten Crossdressing? Oder von den Dragqueens und Dragkings? Diese Begriffe reißen niemand mehr vom Stuhl, wenn sich alle so ausdefinieren wollen, wie es Helmut Kohl gesagt hat: »Ich wandele immer auf meinen eigenen, ganz und gar unverwechselbaren Spuren.« Als der noch regierte, galt Judith Butlers Überlegung, dass biologisches und soziales Geschlecht nicht identisch sein müssen, als das ganz große Wow!

Aber heute: Gähn, logisch, jaja. Nur nicht in München. Da sollten eine Dragqueen und ein Dragking in der Stadtbibliothek vor Kindern lesen. Eine rechte Kampagne von AfD bis CSU hetzte dagegen und warnte vor »Frühsexualisierung«. Diese absurde Warnung folgt der sexistischen Idee, die Welt von untenrum zu betrachten. Die »Ordnung der Geschlechter« soll so starr sein wie die Eigentumsverhältnisse. Weil es schon immer so war.

Was aber schon immer so war: Kinder verkleiden sich gerne. Heute so, morgen so. Das nennt man Fantasie. Die Lesung fand nun statt. »Wir brauchen Vorbilder, die zeigen, dass es okay ist, anders zu sein, das ist die schlichte Botschaft«, sagte der Direktor der Bibliothek. Die gute alte Okayness, in München das neue Ding.

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