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Weniger Sitzungen, mehr Arbeit?
Die Bildungssenatorin will die Gremiensitzungen an Schulen reduzieren. Elternvertreter befürchten den Abbau der Beteiligungsmöglichkeiten.
Elternabende, Gesamtkonferenzen, Schülerräte – für viele Lehrkräfte, Eltern und Schüler ist Gremienarbeit ein Weg, sich in die Schulen einzubringen. Der Landeselternausschuss befürchtet jedoch, dass diese Partizipationsmöglichkeit eingeschränkt werden könnte. Mit einem Beschluss wendet sich die Elternvertretung gegen Überlegungen in der Senatsbildungsverwaltung, die Zahl der Gremiensitzungen zu reduzieren. »Eine Abschaffung der Mindestzahl an Gremiensitzungen würde die demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten nennenswert einschränken«, heißt es in dem Beschluss.
In dem bei der Senatsklausur Anfang des Monats beschlossenen Sofortprogramm wird angekündigt, dass das Schulgesetz geändert werden soll, um Lehrkräfte zu entlasten. Zu den angekündigten Maßnahmen gehört auch, die gesetzlich festgeschriebene Mindestzahl von Gremiensitzungen aufzuheben. Auf Twitter stellt die Senatsverwaltung klar, dass Schul- und Gesamtkonferenzen sowie die Gesamtelternvertretung von der Neufassung nicht betroffen seien.
»Der Vorschlag zielt auf Sitzungen wie Klassen- und Fachkonferenzen ab«, heißt es vom Account der Senatsbildungsverwaltung. Ähnlich hatte sich auch Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) im Podcast des Bildungsjournalisten Marco Fechner geäußert. »Wir wollen das Korsett lockern, ohne das Fundament von Partizipation und Demokratie an Schulen zu gefährden«, sagte sie dort. Unklar ist, inwiefern Bezirksgremien von der Neuregelung betroffen wären.
»Wir halten das nicht für beruhigend«, sagt Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, zu »nd«. »Wir glauben, dass die Arbeit der Fachkonferenzen so wichtig ist, dass hier bei der Zahl der Sitzungen nicht reduziert werden kann.« Durch Verabredungen könnte die Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte gesenkt werden. In den Gremien könne Arbeitsteilung koordiniert werden. »Man entlastet sich da gegenseitig«, so Heise. Sollten Sitzungen wegfallen, sieht er diese Koordination erschwert. In den Fachkonferenzen werden unter anderem Absprachen zu im Unterricht genutzten Materialien sowie Art und Umfang der Hausaufgaben getroffen.
Die von der Senatsverwaltung angestrebte Möglichkeit, Gremiensitzungen auch als Videokonferenzen abzuhalten, begrüßt der Landeselternausschuss dagegen. An den anderen Teilen des Plans kann Vorsitzender Heise dagegen nur wenig Gutes finden. »Man unterstellt den Schulen, dass sie nicht effektiv sind«, sagt er. Dabei habe er Zweifel, ob es überhaupt zu Entlastungen führe, wenn man die Zahl der Sitzungen reduziere. »Die Arbeit bleibt ja die gleiche«, sagt er. Sie müsse dann nur an weniger Terminen geleistet werden. »Am Ende hat man dann statt vier Sitzungen á zwei Stunden zwei Sitzungen á vier Stunden«, glaubt er. »Das kommt doch auf dasselbe hinaus.«
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