Tesla: Autos brennen, Kurse fallen

Seine Nähe zu Trump und sein politisches Engagement kosten Elon Musk inzwischen viel Geld: Tesla-Verkäufe brechen ein, Zweifel an SpaceX wachsen

»Tesla Takedown«: Protest gegen Elon Musk vor einem Teslahändler Ende März in San Francisco
»Tesla Takedown«: Protest gegen Elon Musk vor einem Teslahändler Ende März in San Francisco

Am heutigen Samstag ist wieder Anti-Musk-Aktionstag. Unter dem Motto #TeslaTakedown sind Proteste gegen den E-Autokonzern und seinen Chef Elon Musk angekündigt, auch in Berlin. Schon zum letzten Aktionstag Ende März wurde weltweit vor Tesla-Geschäften demonstriert, in Italien brannten 17 Fahrzeuge aus, in den USA prangten Hakenkreuzen auf Tesla-Autohäusern – »Inlandsterrorismus« nannte das US-Präsident Donald Trump. Laut Umfragen ist sein Berater Elon Musk nun eine der unbeliebtesten Personen auf dem Globus. Das wirkt sich zunehmend auf seine Geschäfte aus: Seit Dezember hat sich der Tesla-Aktienkurs halbiert, Musks Vermögen ist um 170 Milliarden Dollar geschrumpft.

Musks Firmenimperium steht derzeit von vielen Seiten unter Druck. So bereitet die EU laut Meldungen eine Milliardenstrafe gegen die Musks Online-Plattform X vor. Laut »New York Times« will EU mit X ein Exempel statuieren und andere Unternehmen von Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA) abhalten. Vorgeworfen wird X unter anderem, die Plattform bekämpfe illiegale Hassrede und Falschinformationen nicht genug. Es wird betont, die Angelegenheit habe nichts mit den neuen Zöllen der US-Regierung gegen europäische Länder zu tun.

Die Plattform X ist in Musks Privatbesitz. 90 Prozent seines Vermögen allerdings machen Anteile an zwei anderen Firmen aus: dem Autobauer Tesla und dem Raketenbauer SpaceX inklusive Starlink, dem 60 Prozent aller Satelliten im Weltraum gehören. Doch SpaceX droht mittlerweile harte Konkurrenz, unter anderem durch Amazon. Zudem haben Drohungen Musks, die Ukraine von Starlink abzuschneiden, das Vertrauen in das Unternehmen erschüttert. So hat die italienische Regierung – die Trump eigentlich nahe steht – ihre Kooperation mit Musks Satellitennetzwerk derzeit auf Eis gelegt. Südafrika verzögert die Zusammenarbeit. In der EU steht die Stärkung des europäischen Satellitenbetreibers Eutelsat auf dem Programm.

Die Tesla-Konkurrenz holt auf

Steil abwärts geht es bei Tesla, einst unangefochtener Marktführer bei Elektroautos. Bereits 2024 gingen die Verkäufe erstmals zurück, woraufhin Musk für dieses Jahr Absatzzuwächse von 20 bis 30 Prozent versprach. Doch daraus wird wohl nichts: Im ersten Quartal 2025 sanken die weltweiten Verkäufe um 13 Prozent. Allein in Deutschland, wo Musk für die AfD wirbt, wurden im Februar 76 Prozent weniger Teslas abgesetzt, obwohl gleichzeitig 31 Prozent mehr Elektroautos auf die Straßen kamen.

Für den Niedergang werden zwei Gründe in Anschlag gebracht. Der erste ist Musks rechtsradikaler Kurs und seine Nähe zu Trump. Die Folge sind Protestaktionen wie brennende Autos, Anschläge auf Ladestationen in den USA, Angriffe auf das Schienennetz von Tesla in Grünheide oder die Entscheidung der Musikerin Sheryl Crow, öffentlichkeitswirksam ihren Tesla zu verkaufen und den Erlös dem öffentlichen US-Rundfunk zu spenden. Laut Umfrageinstitut Pew Research hat inzwischen die Hälfte der US-Amerikaner*innen eine schlechte Meinung von Musk und – zu seinem Unglück – ist das die Hälfte, die eher Elektroautos kauft: die Wohlhabenderen, die Linken und Liberalen. Zu Musks und Trumps Anhängern zählen dagegen jene, die den Klimawandel leugnen.

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Der zweite Grund für Teslas Probleme dürfte in seiner Modellpolitik liegen. Während andere Autokonzerne Dutzende verschiedener Fahrzeuge anbieten, hat Tesla nur fünf Modelle auf dem Markt und ist von ihnen damit extrem abhängig. Gleichzeitig sind die meisten dieser Modelle inzwischen veraltet. Zudem bietet Tesla – anders als sein großer Konkurrent BYD aus China – kein Niedrigpreisfahrzeug an. Stattdessen entschied man sich für den Bau des schweren Cybertrucks, einer Art Elektro-Stadtpanzer, der aber nicht gut läuft. Rund 50 000 Cybertrucks verkaufte Tesla in den vergangenen 15 Monaten – dabei hatte Musk zur Einführung mit »Millionen Vorbestellungen« geprahlt. Tesla verliert seinen technologischen Vorsprung, das E-Auto-Geschäft macht zunehmend die Konkurrenz.

Der Druck der Märkte

Laut Musk lag der jüngste Absatzrückgang daran, dass Tesla seine Fabriken auf eine neue Generation des Model Y umstellen und daher die Produktion zurückfahren musste. »Doch das allein kann den Kollaps der Verkäufe nicht erklären«, so Autoexperte David Fickling vom Nachrichtendienst Bloomberg. Das lässt den Tesla-Aktienkurs sinken – was ein Problem für Musk ist. Denn an der Börse ist sein Konzern noch immer extrem hoch bewertet, noch vertrauen die Finanzmärkte der Musk-Story und spekulieren auf glänzende Geschäfte in der Zukunft.

Um diesen Optimismus zu befeuern, verspricht Tesla nun, dass der Absatz mit dem erneuerten Model Y bald wieder anziehen wird. Zudem verheißt Musk seinem Unternehmen eine glänzende Zukunft durch selbstfahrende Robotaxis, durch Armeen humanoider Roboter und künstliche Intelligenz. Diese Visionen müssen sich allerdings erst in der harten Welt des kapitalistischen Marktes bewähren – und das in Zeiten, in denen Musks Rechtskurs das Image seiner Unternehmen beschädigt. Als verschiedene Medien diese Woche berichteten, Musk werde sich aus Washington zurückziehen, drehte die Tesla-Aktie ins Plus. Der Chef ist zur Last geworden.

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