- Berlin
- Artenschutz
Pankower Tor in Berlin: Streit um den Kreuzkröten-Zaun
Naturschutzorganisation Nabu Berlin wehrt sich gegen Fangvorrichtung am Pankower Tor
»Der Zaun muss weg«, sagt Melanie von Orlow, Geschäftsführerin der Naturschutzorganisation Nabu Berlin. Denn am Pankower Tor ist ein Zaunstreit entbrannt. Dort sollen Zäune aufgebaut worden sein, um die noch auf der Brachfläche des alten Güterbahnhofs Pankow beheimateten Kreuzkröten von der Fläche fernzuhalten, so der Nabu.
Der Investor Kurt Krieger will in Pankow ein neues Wohnquartier samt Möbelhaus des eigenen Unternehmens bauen. Die letzte Kreuzkröten-Population Berlins steht den Investoren- und Senatsplänen aber schon lange in den Weg. Nun soll sie auf eine benachbarte Fläche umziehen.
Doch so weit sei es noch nicht, heißt es vom Nabu Berlin. Dennoch habe die Senatsumweltverwaltung den Berliner Wasserbetrieben einen Ausnahmebescheid ausgestellt, um »zum Zweck von Bauvorbereitungen Kreuzkröten abzufangen und umzusiedeln«. Gegen diesen Bescheid klagt der Nabu. Um die bereits aufgebauten Krötenzäune schnellstmöglich loszuwerden, steht auch ein Eilverfahren im Raum. »Wir klären aktuell, wie wir weiter verfahren«, sagte von Orlow am Montagnachmittag zu »nd«.
Dass Fangzäune aufgebaut worden seien, hält der Nabu so oder so für illegal. Denn die Naturschützer*innen haben laut von Orlow von den Wasserbetrieben mitgeteilt bekommen, dass diese die Vorrichtung nicht aufgebaut hätten. »Der Bescheid wird gerade rechtswidrig verwendet«, sagt von Orlow.
Der Nabu teilte noch am Montagmorgen mit, dass die Untere Naturschutzbehörde des Bezirks Pankow deshalb die Krötenzäune öffnen lasse. Das habe sich schon am selben Tag allerdings als falsch herausgestellt, wie von Orlow zu »nd« sagt. Die Behörde habe »rechtliche Bedenken« und werde deshalb bislang nicht tätig, so die Berliner Nabu-Geschäftsführerin. »Wir verstehen auch nicht, welche Bedenken das sein sollen.« Die Naturschützer*innen wollen dennoch den Bezirk zum Handeln bringen, weil dieser schlussendlich in der Verantwortung dafür sei, den Kreuzkrötenfang zu unterbinden. »Wir haben einen Rechtsanspruch darauf, dass die Maßnahmen bis zu einer Klärung gestoppt werden«, sagt von Orlow.
Der Bezirk Pankow beantwortete eine kurzfristige Anfrage des »nd« bis Redaktionsschluss nicht. Auch die Umweltverwaltung äußerte sich auf Anfrage nicht weiter zu den vom Nabu beklagten Krötenzäunen. Umweltsenatorin Ulrike Bonde (CDU) teilt hinsichtlich des vom Nabu kritisierten Ausnahmebescheids lediglich mit, sie habe »die Belange des Artenschutzes sorgsam mit der Umsetzung des Projektes abgewogen« und sei so »zu der in Rede stehenden Entscheidung gekommen«.
Auch die Berliner Wasserbetriebe äußern sich auf nd-Anfrage nicht hinsichtlich der Krötenzäune. Dass sie überhaupt auf dem Gelände am Pankower Tor tätig werden müssen, liege daran, dass ein »riesiger Regenwasserkanal«, der aktuell durch das Grundstück verlaufe, zurück in öffentliches Straßenland versetzt werden müsse, sagt Wasserbetriebe-Sprecher Stephan Natz.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.