Obst oder Obstler

  • Silvia Ottow
  • Lesedauer: 1 Min.

Kaum geht es um Geld, da setzen die Bundesländer alle Hebel in Bewegung, um nicht für das EU-Schulobstprogramm mit zur Kasse gebeten zu werden. Sie zeigen auf den Bund und bemühen die abstruse Frage, ob es sich hierbei um eine »primär marktpolitische Maßnahme« oder um bildungspolitische Ziele handele. Für erstere müsste der Bund aufkommen, der auch blitzschnell überlegte, auf wen er denn die Finanzierung abwälzen könnte und sofort auf die Eltern kam. Super-Idee, darauf einen Obstler und ab mit der Geschichte in das Archiv von Schilda!

Apropos Obstler. Die Herstellung dieses hochprozentigen Getränkes, welches einen über das unwürdige politische Kompetenzgerangel aber leider auch nur kurze Zeit hinwegzutrösten vermag, lässt sich der Bund allerhand kosten. Mit 120 Millionen Euro subventioniert er pro Jahr die Brennereien und findet dafür so unglaubliche Begründungen wie die soziale Verantwortung für deren wirtschaftliche Existenz oder die Bildung von Streuobstflächen als Umweltaufgabe. Darauf gleich noch einen Obstler! Ein Zehntel dieser Summe würde übrigens ausreichen, um das europäische Schulobstprogramm bundesweit umzusetzen und damit die soziale Verantwortung gegenüber Kindern wahrzunehmen, deren Eltern nicht in der Lage sind, sie gesund zu ernähren.

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