- Kultur
- Kurzweil
Chinesisch frisch in vieler Munde
Chinesisch zu lernen, ist sicher einigermaßen kompliziert, chinesisch zu gärtnern weniger. Und viele der asiatischen Florakinder sind nicht nur ein Gaumen-, sondern auch ein Augenschmaus, machen sowohl auf dem Gemüse- als auch im Blumenbeet eine gute Figur; falls man beide überhaupt akkurat trennen möchte. Familie Brassica, zu der nicht nur Kohl, sondern auch Raps und Senf gehören, ist in Asien noch größer als bei uns. Ich kann mir auch unsere Küche ohne dieses Gemüse nicht vorstellen. Dazu kommt das schonende Garen im Wok. Gemüse auf diese Weise zubereitet wird in Asien der Rohkost vorgezogen, weil seine Inhaltsstoffe schon aufgeschlossen und damit bekömmlicher sind. Chinakohl betrachten wir längst als heimische Art, obwohl er erst im 19. Jahrhundert nach Europa kam.
Für den Gartenanbau gibt es aber weniger anspruchsvolle Vertreter, zum Beispiel aus der Senfkohlfamilie der Chinesische Senf (B. juncea) oder Mizuna (B. japonica), beide können bis in den Winter hinein geerntet werden. Tatsoi (B. rapa) kann im ungeheizten Gewächshaus sogar bis minus 15 Grad überstehen. Sehr vitamin- und mineralstoffreich ist der Chinesische Spinat (Amaranthus tricolor) mit roten und grünen Blättern, die zudem einen hohen Proteingehalt aufweisen. Der asiatische Gemüsegarten hat natürlich noch mehr zu bieten: Blumiges wie Speisechrysanthemen, Würziges wie Schnittknoblauch (Allium tuberosum) oder Zitronengras und natürlich viele Tee- und Heilkräuter.
Jiaogulan wird »bescheiden« als Unsterblichkeitspflanze beworben. Mir schmeckt sie einfach sowohl als Tee aufgebrüht, frisch von den Ranken gepflückt und im Salat als Würze oder in der Kräuterbutter. Sie überwintert im Topf, treibt früh wieder aus und ist sehr genügsam, kein Sonnenkind, sondern liebt ein schattiges Plätzchen. Man kann Jiaogulan hoch ranken lassen oder als Kaskade in einer Hängeampel kultivieren. Und man kann an ihre die Abwehrkräfte
stärkenden Heilkräfte glauben; was ganz bestimmt nicht schadet.
Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.