Im Büßerhemd

  • Roland Etzel
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei seinen bisher wenigen Auftritten als Außenminister ist Westerwelle in der Betroffenheitsskala zwischen unbedarftem Hagestolz und demütigem Pilger schon an beiden Enden sehr dicht an die Extreme herangekommen. Vor dem gestrigen Besuch in Israel wird er sich nicht unbeschwert gefühlt haben, denn bei der Wahl zwischen Festgala und Büßerhemd kam hinsichtlich der gefühlten Garderobe für Israel nur letzteres in Frage. Eine Reise nach Jerusalem ist für FDP-Außenminister ein Weg auf schmalem Grat, dicht gesäumt mit tiefen Fettnäpfchen.

Deutschland zum Nahostkonflikt – dazu bekam der Außenminister an Verhaltenswünschen einiges ins Gepäck gelegt: eingedenk deutscher Geschichte verständlich; Dennoch, es gab auch fragwürdig erscheinende Forderungen, zum Beispiel die von Stephan Kramer. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden verlangt, der Minister solle Akzente der Versöhnung setzen, sich aber »davor hüten, im Nahostkonflikt als Vermittler auftreten zu wollen. Dafür hat er zu wenig Erfahrung.«

Der wortgewandte Westerwelle schwieg dazu, doch sollte Widerspruch erlaubt sein. Ein deutscher Minister könnte im Nahen Osten manches Nützliche leisten. Effektiv vermitteln aber kann er sowieso nur sehr begrenzt. An Kramer aber muss man die Frage zurückgeben: Wann und für wen wäre Westerwelles Erfahrung denn ausreichend? Der Minister sollte die Versöhnung suchen, mit einem aber nicht: diesem Konflikt.

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