Regierungsopposition

Guido Westerwelle hat mit seinen plumpen Ausfällen gegen Hartz-IV-Opfer einen Teilerfolg erzielt: Seine FDP ist in aller Munde und beherrscht die Schlagzeilen. Am leichtesten gelingt so was, indem man sich über Konventionen politischer Korrektheit wegsetzt. Wenn dies der amtierende Vizekanzler tut, ist breite Aufmerksamkeit gesichert.

Bis zum Ziel, die »Gelben« aus dem Umfragetief zu holen und dadurch durchsetzungsfähiger zu machen, ist es freilich ein längerer Weg. Dazu muss ein neues Image her. Die wirtschafts- und steuerpolitische Kompetenz, die viele Beobachter der FDP, leider wahlwirksam, angedichtet hatten, hat sich in Luft aufgelöst. Heute steht man als Bediener einer kleinen Klientel da, etwa der Hoteliers, die die FDP auch noch bezahlen. Hier knüpft Westerwelle ungeniert und offensiv an: Wir kämpfen für die Interessen von vielen – den vermögenden Steuerhinterziehern, gutverdienenden Facharbeitern, Unternehmern, Ärzten, Managern etc. Wir sorgen am Kabinettstisch dafür, dass Ihr vom Staat nicht behelligt werdet, wenn es ums Bezahlen der Kosten der Wirtschafts- und Finanzkrise geht.

Ob Westerwelle in seiner Partei ohne nennenswerten Widerspruch durchkommt und ob sich viele Anhänger des wirtschaftsliberalen Flügels der Union oder der SPD-Rechten herüberziehen lassen, ist offen. Die Botschaft freilich ist klar: Die FDP ist die einzige, und auch noch regierende, Oppositionspartei gegen den angeblich grassierenden Neosozialismus.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.