- Kultur
- Leipziger Buchmesse
Ausklang in der Kassette
Sie führt zur Demmeringstraße, in Leipzig-Lindenau. Da versteckt sich die Kassette hinter verklebten Schaufenstern. In dem gemütlichen Laden hängen „Mixtapes to go“ an den Wänden. Beziehungsweise fast „to go“ denn sie werden hier Eins zu Eins getauscht. Selbst aufgenommene Kassetten sind also willkommen. Eigentlich ein diskreter Aufruf zur Leidenschaft für die guten alten Mixtapes!
Obwohl ich ohne Lieblingsplaylist auf Band herein marschiert bin, war der Empfang sehr freundlich. Getränke wurden angeboten und die Kassette gewechselt, französische Musik. „Die haben wir erst gestern bekommen und noch nicht entdeckt“, sagt der junge Besitzer, der drei angenehme Buchmesse-Tage mit Gastlesungen hinter sich hat. Die eingelegte Kassette heißt: „Parlez-vous Français?“ Das lieblos geschriebene Cover bleibt rätselhaft. Aber wenigstens erklingen keine Französisch-Lektionen sondern eine Musikcollage voller Swing!
Im Raum sitzen lauter Studenten. Manche aus München, andere aus Bremen, teils zu Besuch, teils von hier. Es wird geraucht und über die „volle“ Buchmesse gesprochen. Mehr als 156 000 Besucher/innen sollen es gewesen sein. Nach Gesprächen über Dreiecke und ein Bilderbuch ging die Diskussion hin zur Emo-Szene. Wird diese neue Jugendkultur, die sich als düster und sentimental gibt und vor allem auf ihr Erscheinungsbild setzt, von Bestand sein. Die Frage bleibt offen. Mir geht es irgendwie langsam wie einer alten Kassette, ich bin nicht mehr wirklich aufnahmefähig.
„IT S ALL OVER“ - Eigentlich schade, aber es steht fest: Die Kassette aus der Demmeringstraße schließt im Mai 2010. Ausklang-Ton: „Damit ist nun das Zeitalter der Kassette aber wirklich vorbei. Alle die ab Juni 2010 noch Kassetten hören sind wirklich Freaks. Ehrlich wahr jetzt."
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