Hopfen – nicht nur gut fürs Bier

  • Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
  • Lesedauer: 2 Min.

Während zarte Wildbienen schon zum Winterausklang in der Blütenfülle von Winterlingen, Schneeglöckchen und Krokussen (Foto: B. Müller) schwelgten, wartete eine dicke Hummelkönigin doch die ersten Frühlingstage ab, ehe sie sich den Winterschlaf aus den Augen rieb. Sicher ist sicher. Zumal die Brummer in diesem Jahr noch auf das Lungenkraut verzichten müssen; das hat erst spärlich Blätter entwickelt, gewöhnlich blüht es schon kräftig im März.

Andere Pflanzen haben sich dagegen vom langen Winter nicht bremsen lassen. Zum Beispiel der Hopfen: Unter der dicken Laubdecke schiebt er schon munter seine neuen Sprossen. Höchste Zeit, den trockenen Wirrwarr der meterlangen Ranken herunterzuschneiden. Diese alte Kultur- und Heilpflanze stellt keine großen Ansprüche, ist im Gegensatz dazu äußerst vielseitig. Natürlich ist sie wichtig fürs Bier, und das schon seit dem 8. Jahrhundert. Seine bitteren Substanzen Humulon und Lupulon geben dem Gerstensaft Geschmack und der Staude ihren Namen: Humulus lupulus. Bier ist zwar d a s Getränk der Männer, aber männliche Pflanzen werden von Hopfenbauern rigoros bekämpft und sind sogar per Gesetz in einem bestimmten Umkreis von Hopfengärten verboten, weil sie die Qualität der Hopfendamen verderben. Ein Schelm, wer nach Parallelen sucht …

Mir sind Hopfenblüten in einer Gutenachtteemischung lieber als im Bier und als starke Kletterpflanze im Garten willkommen, zumal sie Zäune, alte Bäume und Fassaden zügig erklimmt. Auch an wenig besonnten Stellen. Und wenn man dort den gelbblättrigen »Aureus« pflanzt, hellt man den Platz außerdem auf. Hopfen ist was für Ungeduldige, denn in Windeseile wächst er mehrere Meter und bildet eine dichte Wand mit schönen herzförmigen Blättern, zu denen sich später die üppigen Trauben der blassgelben Zapfen gesellen. Auch Vögel lieben Hopfenblüten und des C-Falters Raupen das Blattwerk.

Wer so schnell wächst (bis zu zehn Zentimeter pro Tag), breitet sich natürlich gern aus. Auch gut: Was zu viel ist, wird gegessen. Wenn die Triebe zirka acht Zentimeter lang sind, kann geerntet werden. Vorsichtig werden die Wurzelstöcke mit der Hand freigelegt und die Sprossen abgebrochen, nur ein paar der kräftigsten bleiben stehen und werden wieder zugedeckt. Der Hopfenspargel lässt sich roh oder gekocht genießen, wie der Asparagus officinalis, der Zuchtspargel. Man kann auch junge fleischige Wurzeln kochen und dann mit Zwiebeln anbraten. Guten Appetit! Übrigens: In Belgien nutzen pfiffige Hopfenanbauer das stürmische Wachsen von Humulus lupulus und verkaufen die zarten Sprosse als Delikatesse – zum entsprechenden Preis.

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