Weniger Adoptionen in Sachsen-Anhalt

Land liegt mit Rückgang im Bundestrend / Schlechte ökonomische Situation hat Einfluss

  • Lesedauer: 2 Min.

Halle/Stendal (dpa/ND). In Sachsen-Anhalt geht die Zahl der Adoptionen zurück. Im vergangenen Jahr wurden 68 Kinder vermittelt, 2006 waren es noch 86, wie die Leiterin der Zentralen Adoptionsstelle beim Landesverwaltungsamt, Antje Specht, sagte. Dabei handele es sich nur um Fremdadoptionen, Adoptionen von Stiefkindern seien nicht darunter. Mit dem Rückgang liege Sachsen-Anhalt im Bundestrend. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2008 in Deutschland gut 4200 Kinder adoptiert, die Hälfte davon wurde durch den neuen Partner des leiblichen Elternteils angenommen.

Einen deutlichen Unterschied gibt es laut Specht aber bei der Zahl adoptionswilliger Paare im Verhältnis zu den Kindern. Während laut Statistik bundesweit auf ein zu adoptierendes Kind rechnerisch zehn Bewerberpaare kommen, sind es in Sachsen-Anhalt deutlich weniger. 2009 hätten sich 150 Paare um ein Adoptivkind bemüht, 68 Kinder wurden vermittelt. »Es wird relativ viel zur Adoption freigegeben«, sagte Specht.

Raimund Geene, Professor für Kindliche Entwicklung und Gesundheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal, sieht dafür vor allem wirtschaftliche Gründe. »Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die insgesamt schlechte ökonomische Situation in Sachsen-Anhalt ist die Bereitschaft, Kinder zur Adoption freizugeben, bei uns etwas größer.« Aus den gleichen Gründen sei die Nachfrage nach zu adoptierenden Kindern anderswo größer. »Als Adoptiveltern bewerben sich vor allem Menschen mit sicherem Arbeitsplatz und guten finanziellen Verhältnissen.« Diese Verhältnisse seien in Sachsen-Anhalt schwächer ausgeprägt als in den westlichen, insbesondere in den südwestlichen Bundesländern.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.