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Billiges Spiel auf Zeit

Angebote für Leiharbeit mehr als verdoppelt / IG Metall kündigt Gegenwehr in Betrieben an

  • Lesedauer: 2 Min.
Nach der Krise boomt die Zeitarbeit. Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Die Regierung sieht dagegen eine ganz normale Entwicklung.
Beschönigend auch Zeitarbeit genannt – Firmen werben um Billiglöhner. ND-
Beschönigend auch Zeitarbeit genannt – Firmen werben um Billiglöhner. ND-

Berlin (Agenturen/ND). Bei Neueinstellungen setzen Unternehmen vermehrt auf Zeitarbeit. Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten die Betriebe nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni einen Leiharbeiter. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Wurden der BA im Januar noch knapp 28 000 neue Zeitarbeitsstellen gemeldet, waren es im Juni schon fast 64 500. Der Zahl neu gemeldeter regulärer Stellen stieg von rund 78 500 auf knapp 120 000.

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Damit haben sich die neuen Jobangebote von Leiharbeitsfirmen seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen lediglich um ein gutes Drittel (39 Prozent) zulegte. Entsprechend kletterte der Anteil der Leiharbeitsposten an allen neuen Stellen von 26 Prozent im Januar auf 35 Prozent im Juni.

»Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen«, sagte der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel. »Leiharbeit vermehrt sich geradezu rasant und verdrängt mehr und mehr Stammbeschäftigung.« Dieser Weg, der von der Wirtschaft beschritten werde, setze auf »Billiglohn und eine Politik des Heuern und Feuerns«. Damit riskierten die Firmen eine »Spaltung der Belegschaften« und die Zukunftsfähigkeit ihrer Branchen. Wetzel kündigte verstärkten Widerstand an. »Gegen das Bestreben, durch Leiharbeit ein niedrigeres, zweites Tarifniveau in den Betrieben zu etablieren, werden wir Gegenwehr in den Betrieben organisieren.« Auch die Bundesregierung sei in der Pflicht, dem Missbrauch von Leiharbeit Einhalt zu gebieten.

Das Bundesarbeitsministerium sieht in der Entwicklung dagegen keinen Trend zur Verdrängung von Stammbelegschaften. Der Flexibilitätscharakter der Zeitarbeit führe in Wachstumszeiten »bereits früh dazu, dass Beschäftigungspotenziale aufgebaut werden und damit Chancen für Arbeitslose für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt entstehen«, sagte ein Sprecher der dpa. Die Erfahrung zeige aber auch, dass mit zunehmender Stabilisierung der Konjunktur der Anteil der Zeitarbeitsverhältnisse am Beschäftigungswachstum wieder sinke – zugunsten der Stammbelegschaften.

Jutta Krellmann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, erklärte, die Zunahme bei der Leiharbeit müsse die Bundesregierung wachrütteln: »Ihr Jubel über statistisch sinkende Arbeitslosenzahlen ignoriert, dass diese wesentlich auf Leiharbeit beruhen und damit die Niedriglohnspirale weiter forciert wird.« Der ausufernden Leiharbeit müsse ein Riegel vorgeschoben werden, forderte die Arbeitsmarktexpertin.

Das Arbeitsministerium erklärte in der Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion, Leiharbeit habe zuletzt »kontinuierlich zugenommen«. Jedoch müsse berücksichtigt werden, »dass das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot größer ist als die der BA gemeldeten Stellen«. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA habe es von Januar bis März 659 000 offene Stellen gegeben. Der BA waren im März von Unternehmen dagegen nur knapp 320 000 offene Stellen gemeldet.

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