»Anschlag auf die Demokratie«
Linke kritisiert Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und kündigt Verfassungsklage an / SPD-Chef Gabriel spricht von »klaren Rechtsbruch«
Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hält es für einen skandalösen Vorgang, dass das, »was in einem Gesetz geregelt werden muss, in einem Deal mit der Wirtschaft geregelt wird«. Dies sei »ein klarer Rechtsbruch« und »das Gegenteil von Parlamentarismus«. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf er »Salamitaktik« vor. Die Vereinbarung zwischen Regierung und Konzernen sei erst nach öffentlichem Druck bekanntgemacht worden. Die Bundesregierung habe »die Öffentlichkeit belogen«, so der Vorwurf Gabriels.
Die Einschätzungen der Oppositionsparteien scheinen mehrheitfähig in der deutschen Bevölkerung zu sein. In der Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer vertraten 65 Prozent der Befragten die Auffassung, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung in ihrem Energiekonzept vor allem die Interessen der Atomkraftwerksbetreiber berücksichtigt habe. 91 Prozent der Anhänger der Linkspartei, 82 Prozent der Anhänger der Grünen und 75 Prozent der SPD-Anhänger äußerten sich laut Politbarometer in dieser Weise, aber auch eine Mehrheit der FDP-Anhänger (56 Prozent) und die Hälfte der Anhänger von CDU und CSU (49 Prozent) schlossen sich dem an.
Die Fraktionen von SPD, Grüne und Linke des Abgeordnetenhauses Berlin rufen die Berliner dazu auf, sich an der großen Anti-Atom-Demonstration am 18. September zu beteiligen. Am Donnerstag hatte das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der drei Fraktionen zudem die von der Bundesregierung geplanten Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke abgelehnt, teilten die Fraktionen am Freitag mit.
Demo – Atomkraft: Schluss jetzt!
Mehr dazu in der ND-Ausgabe vom 11.09.2010
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.