- Anzeige -
Das Blättchen #6 ab 24.03.2025
- Anzeige -
Werbung

Nun doch bundesweite Volksabstimmungen?

SPD will Volksentscheid über die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken / Petra Pau: Volksabstimmungen im Grundgesetz bereits angelegt

  • Lesedauer: 2 Min.
(dpa/ND) Nach der großen Demonstration am Wochenende gegen die Atompläne der Bundesregierung hat die SPD einen Volksentscheid über die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken ins Spiel gebracht. »Die SPD wäre dazu bereit, zusammen mit der Koalition das Grundgesetz entsprechend zu ändern«, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel »Spiegel Online« am heutigen Montag. »Das würde viel Befriedung in unser Land bringen und vor allem die Politik wieder näher zu den Bürgern.«

Die Bundesregierung wollte sich nicht weiter zu dem Vorstoß äußern. Entsprechende Anfragen seien an die Parlamentsfraktionen zu richten, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Der Koalitionsvertrag sage nichts über solch ein Vorhaben. Die Linke-Politikerin Petra Pau sagte, Volksabstimmungen seien im Grundgesetz bereits angelegt - nun müsse man sie in die Tat umsetzen.

Im April 2009 hatten die damaligen Oppositionsfraktionen FDP, Grüne und Linke in Gesetzentwürfen die Einführung von Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden in das Grundgesetz gefordert. Die damalige Koalitionsmehrheit von CDU/CSU und SPD lehnte dies ab. Die SPD-Fraktion stellte klar, dass sie bei dem Thema gerne weiter gekommen wäre, was jedoch am Koalitionspartner gescheitert sei.

Zuvor sehen die Sozialdemokraten allerdings Bundespräsident Christian Wulff in der Pflicht, das entsprechende Gesetz sorgfältig zu prüfen, sagte Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag nach Beratungen des SPD-Präsidiums in Berlin. Wegen der geplanten Umgehung des Bundesrats könne der Bundespräsident dabei eigentlich nur zu dem Ergebnis kommen, dass die geplante Regelung verfassungswidrig sei, was die Verweigerung seiner Unterschrift gegen eine Verlängerung der Atom-Laufzeiten bedeuten müsse.

International neue Ära der Nuklearenergie?

Die Rahmenbedingungen für einen deutschen Atomausstieg scheinen sich indess zu verschlechern. Für den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, steht die Welt vor dem Beginn einer neuen Ära der Atomenergie. Mehr als 60 Länder seien interessiert, Nuklearenergie neu bei sich einzuführen, sagte Amano zu Beginn der einmal jährlich stattfindenden Generalkonferenz aller 151 Mitgliedsstaaten der Atombehörde am Montag in Wien. Bis 2030 werde damit gerechnet, dass 10 bis 25 neue Atomstaaten ihre ersten Reaktoren in Betrieb nehmen. Der Atomkraft-Anteil an der weltweiten Energiegewinnung solle von 13,8 Prozent im Jahr 2009 auf bis zu 16,6 Prozent 2030 steigen.
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen wurde 1957 gegründet und soll weltweit die zivile Nutzung der Kernenergie fördern.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

Mehr aus: Politik