Sparkassenchef mag nicht in Beugehaft

Im BayernLB-Ausschuss redet Naser nun doch – aber eigentlich sagt er nichts

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München (dpa/ND). Im Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags zu den Milliardenverlusten der BayernLB hat der frühere Sparkassenpräsident Siegfried Naser als eine Schlüsselfigur der Affäre den Vorwurf des Versagens zurückgewiesen. Die internationale Expansion der BayernLB mit Großkundengeschäft und Engagement am internationalen Kapitalmarkt sei »mit Kenntnis und Billigung aller« geschehen, sagte Naser zu Beginn seines Berichts am Donnerstag.

Bei seinem ersten Auftritt am Dienstag hatte der Sparkassenpräsident a.D. noch die Aussage verweigert und damit einen Eklat ausgelöst. Dann überlegte Naser es sich anders, weil der Ausschuss ihm Beugehaft androhte. Der Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria im Jahr 2007 hatte der BayernLB 3,7 Milliarden Euro Verlust eingebracht. Bevor er zu den Einzelheiten kam, betonte Naser, er habe die Entwicklung der BayernLB schon lange skeptisch beurteilt. Die Bank habe sich Anfang des Jahrzehnts in einer schweren Krise befunden und ein neues Geschäftsmodell benötigt. Der Wegfall der staatlichen Garantien 2005 habe den Wegfall eines Eckpfeilers für die BayernLB bedeutet.

»Eine befriedigende Antwort, so jedenfalls meine Wahrnehmung, hatten wir nicht«, sagte Naser. »Meine Absicht war es, sie in einer Fusion zu verkleinern.« Die Staatsregierung habe die von ihm angedachte Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aber abgelehnt. Auch andere Möglichkeiten hätten sich zerschlagen, bis er Anfang 2007 von dem geplanten HGAA-Kauf erfahren habe.

Vor Naser erschien der Investor Tilo Berlin vor dem Ausschuss, der eine zentrale Rolle in dem Skandal spielte. Da die Münchner Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, schwieg Berlin aber, um sich nicht selbst zu belasten. Berlin hatte mit seiner Investorengruppe beim Kauf der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB viele Millionen verdient. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es sich um illegale Insider-Geschäfte handelte.

Der Untersuchungsausschuss will klären, ob Naser und prominente CSU-Politiker im Verwaltungsrat der BayernLB bei der Kontrolle des Vorstands versagten.

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