- Kommentare
- Standpunkt
Irak-Amnesie
Es gibt keinen Grund, an der Empörung der Politiker über das Gemetzel in der irakischen Kirche zu zweifeln. Dennoch – so es sich um Äußerungen maßgeblicher westlicher Staatslenker handelt – ist eine gehörige Portion Amnesie mit im Spiele. Sie haben das Massaker zwar nicht befohlen, aber durch ihre Politik mindestens begünstigt.
Seit mehr als sieben Jahren steht die von Washington geführte Koalition der Willigen von Polen bis Spanien mit ihren Truppen in Irak. Angetreten sind sie einst mit der anmaßenden Attitüde, Freiheit, Recht und Ordnung zu schaffen, selbst von lupenreiner Demokratie (Bush) war die Rede. War dies schon deshalb schwer vorstellbar, da es auf dreistesten Kriegslügen aufgebaut war (Blair), so haben vor allem US-Söldner und Briten vor Ort wirklich alles getan, um Chaos und Gesetzlosigkeit, wie sie heute regieren, erst den Weg zu bereiten, indem sie mit schlechtestem Beispiel vorangingen.
Gerade Iraks Christen werden sich daran erinnern, dass es ihnen in keinem Jahr der 24-jährigen Herrschaft Saddams schlechter ging als jetzt. Das spricht nicht für Saddam, sondern gegen die christlichen Demokratieexporteuren aus Übersee. Wenn es diesen tatsächlich ernst ist mit ihrer Betroffenheit, könnten sie jetzt gegen die geplante Hinrichtung von Tariq Aziz, des bis 2003 einflussreichsten irakischen Christen, protestieren. Aber das tut auch die Bundeskanzlerin nicht.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.