Bildungsrauschen
Teufelswerk oder Lernhilfe?
Unter www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen hieß es am 15. November unter der Überschrift »Sparkasse drängt Grundschülern Girokonten auf«, dass die Hamburger Sparkasse (HASPA) die Kantine einer Hamburger Grundschule mit ihrem Kreditkartensystem ausstattete. Gleichzeitig warb diese in einem Schreiben an die Eltern, um deren Kinder als Kunden für die Chipkarten. Ist dies Teufelswerk oder eine Lernhilfe? Im Netz war man sich nicht eins.
Muehle79 sagte: »Huch, ich dachte die politischen Bemühungen zielten eher darauf, an Schulen ein für Schüler kostenloses Mittagessen bereitzustellen. Seit der von-der-Leyens-Chipkartenidee scheint man von solcherart Fördermaßnahmen wieder abgekommen zu sein. Die Haspa-Kartenleser sind bestimmt auch nicht kompatibel zu den HARTZ-IV-Chipkarten, so dass der (private) Kantinenbetreiber sicher noch einen zweiten Automaten aufstellen muss und genau registrieren kann, welche Eltern Geld für das Schulessen haben und welche nicht.«
kb26919 konnte »das nicht bedenklich finden. Andere Banken oder Sparkassen sollten ähnliche Sachen machen und Kinder dazu anspornen, Geld zu sparen, zu lernen mit Geld umzugehen usw.« Blaumilchvor fand: »Die Schule muss frei bleiben von solchen Auswüchsen. Letztendlich steckt hier Kapitalinteresse dahinter. Das ist schon ärgerlich! Demnächst, wenn es möglich ist, werden sie noch unsere Träume sponsern.« Postbox meldete: »Ein wirklich alter Hut! Schon vor Jahren haben Volksbanken Schulanfängern ein Sparbuch mit einer Einlage von 5 DM geschenkt. Iffzer korrigierte: »Sparbuch und Geldkarte sind zwei verschiedene Paar Stiefel.« herkurius merkte an: »Das ist letztes Jahr an einer Schule im Stadtteil Oberpleis des rheinischen Städtchens Königswinter in die Hose gegangen. Auch hier wurde der Plot ›Die Kinder, die keine Geldkarte, also auch kein Girokonto, haben, bekommen in der Schulkantine nichts zu essen‹ von einem Kontoangebot der Sparkasse (flankiert). Es gab Proteste, die Schüler brachten sich Stullen mit und nach einem halben Jahr hatte die Kantine 40 Kunden am Tag anstatt der betriebswirtschaftlich erforderlichen 200.«
Anqueetus fragte: »was bitte ist daran verwerflich? früher gab es bei uns essensmarken. da hatten wir auch kein bargeld und komischerweise dennoch den umgang damit gelernt (...). mit der karte lernt (man) genauso den umgang mit geld wie mit bargeld, denn aufgeladen muss die karte auch werden (...).« waldemar.1. antwortete: »Du hast die Penunze nicht in der Hand (oder) in der Hosentasche. Du hast lediglich eine bunte Plastikkarte. Du siehst das Geld nicht, du spürst (es) nicht.« marks&spencer ergänzte: »Eine Geldkarte sollte man nur haben, wenn man Geld hat, über das man frei verfügen kann.« – Und wir fügen hinzu: Kinder ab sieben Jahren sind aus gutem Grund nur bedingt geschäftsfähig. Lena Tietgen
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