Weniger Kriege, doch nicht mehr Optimismus

Heidelberger Institut legte Konfliktbarometer 2010 vor

  • Olaf Standke
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Zahl der gewaltsamen Auseinandersetzungen ist weltweit weiter rückläufig, so das Fazit des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK), das am Mittwoch sein »Konfliktbarometer 2010« vorstellte. Doch warnen die Forscher zugleich vor allzu viel Optimismus.

Ein Zusammenschluss von 19 Hilfswerken hat jetzt nachdrücklich vor erneuten Überfällen der »Lord's Resistence Army« in der Weihnachtszeit gewarnt. Sowohl 2008 als auch 2009 habe die aus Uganda stammende Miliz im Nordosten Kongos und in den angrenzenden Gebieten Sudans wie der Zentralafrikanischen Republik im Dezember Massaker an der Bevölkerung verübt. Das ist nur einer der oft vergessenen bewaffneten Konflikte, die die Heidelberger Friedensforscher seit 1991 erfassen und untersuchen. Gestern präsentierten sie mit dem »Conflict Barometer 2010« ihre aktuellen Daten und Analysen.

Das Institut zählte unter den 363 beobachteten Konflikten 126 bewaffnete Krisen und 28 hochgewaltsame Auseinandersetzungen, die durch massiven Einsatz organisierter Gewalt charakterisiert sind und gravierende Folgen haben. Obwohl die Zahl dieser Konflikte von 39 im Jahr 2008 und 33 im Vorjahr weiter zurückgegangen ist, warnen die Wissenschaftler wie schon ihre Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Hamburger Universität vor übermäßigem Optimismus: Daraus könne »nicht geschlossen werden, dass die Welt friedlicher geworden sei«, betonte Lotta Mayer, Mitglied des HIIK-Vorstands. Schließlich sei zugleich die »Zahl der gewaltsamen Krisen um mehr als zehn Prozent gestiegen« – mit der Gefahr »einer weiteren Eskalation auf kriegerisches Niveau«. Zumal Kriminalität, soziale Ungleichheit, Armut und Hunger weiterhin den Nährboden für neue Konflikte und Kriege bildeten.

Mit je neun hochgewaltsamen Auseinandersetzungen sind der Nahe und Mittlere Osten sowie Asien nach der Analyse des Heidelberger Instituts die meistbetroffenen Regionen der Erde, gefolgt von Afrika südlich der Sahara mit fünf. In Pakistan etwa führte das Militär eine Großoffensive gegen die Taliban. Insgesamt gab es dort 2010 rund 6800 Todesopfer, über 2000 mehr als im Vorjahr. Wie fünf weitere hochgewaltsame Konflikte werden diese Kämpfe von den Forschern als Kriege eingestuft.

So existiert heute ein regelrechter Konfliktgürtel von der afrikanischen Nordküste über das Horn von Afrika, die arabische Halbinsel, Afghanistan und Pakistan bis hin zur koreanischen Halbinsel, China und Myanmar. Dabei stünden diese Konflikte in vielfältigen Zusammenhängen miteinander, beispielsweise durch Schmuggel von Waffen, Drogen oder Rohstoffen, transnationale Zusammenarbeit von bewaffneten Gruppierungen oder das Übergreifen von Auseinandersetzungen auf Nachbarländer.

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