Beckmesserei

  • Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 1 Min.

Kurt Beck weiß, wovon er spricht. Er sieht für Guido Westerwelle kaum noch eine Chance, FDP-Chef zu bleiben. Hat der reinland-pfälzische Ministerpräsident doch vor zwei Jahren am eigenen Leibe erfahren, was passiert, »wenn in Berlin die Jagd eröffnet ist« – und dem giftig-fröhlichen Halali vornehmlich aus den eigenen Reihen mit seinem Rücktritt als SPD-Chef ein spätes Ende bereitet. Im September 2008 hat das verbliebene Spitzenpersonal auf einem Parkplatz am brandenburgischen Schwielowsee kurzerhand ausgekungelt, dass Franz Müntefering noch mal ran muss – und Beck war wehenden Rockschoßes wieder nach Mainz entschwunden. Beckmesserei – engstirnige Regelgläubigkeit –, von der Westerwelle angesichts seines trotzig geäußerten Durchhaltewillens offenbar immer noch nicht geheilt ist, wirkt wenig hilfreich. Denn wie Beck und vor ihm Rudolf Scharping in der SPD, der von Westerwelle weggeputschte Wolfgang Gerhardt in der FDP oder Edmund Stoiber in der CSU, ist auch der Noch-FDP-Chef von einer Vielzahl von Parteifreunden umzingelt, die sich angesichts drohenden Machtverlustes an gar keine Regeln halten. Da macht übrigens Beck keine Ausnahme. Er, der vor seiner absoluten SPD-Mehrheit ewig mit der FDP und pikanterweise mit dem jetzt als Westerwelle-Nachfolger gehandelten Rainer Brüderle regierte, hat vor der Landtagswahl im März und dem möglichen FDP-Abschmieren schnell vorhandene »Schnittmengen« mit den Grünen beschworen.

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