Wenn Frühblüher sprießen und Nachbarn streiten

GARTEN: Mit dem Lenz kommt die Frage, wer sich mit wem im Boden gut verträgt

  • Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn die Regenwürmer einen verlässlichen Wetterfrosch zur Seite haben und sich nach seinen Prognosen richten, dann hat sich der Winter wohl schon ziemlich verausgabt. Unterm Laub, unter Steinen, im Kompost – überall laufen sie mir schon über den Weg beim Werkeln im Garten. Will heißen, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest keinen strengen Frost mehr geben wird. Denn sonst wären die fleißigen Kompostmatrosen nach der kalten Zwangspause nicht so zahlreich an Deck. Ein kleines Igelkind, dem ich über die kalten Monate geholfen habe, ist auch bereits munter und hungrig; zugegebenermaßen sehr früh. Aber alles Zeichen, dass Herr Lenz uns sicher bald grüßen will.

Bei den floralen Geschöpfen sieht es ja nicht anders aus. Ich bin immer wieder verblüfft, wie schnell die kleinen Frühblüher sich aus der dunklen Erde ans Licht schieben und ihren Blütenteppich weben. Sobald die ersten Winterlinge ihre Knospen zeigen, heißt es: Betreten der Wiese nicht beziehungsweise nur mit größter Vorsicht erlaubt – und das viele Wochen lang. Ihr üppiges Gelb lässt sich kaum in ein Muster fügen, weil ihr Vermehrungsdrang schwer zu zügeln ist.

Wer aber einer kunterbunten Wiese im Frühling keinen Charme abgewinnen kann, der (oder die) kann ja der Fantasie freien Lauf lassen und in das Fleckchen Gartengrün mit verschiedenen Frühblühern Ornamente (Kreise, Spiralen, Zahlen, Buchstaben etc.) legen, die man auch begehen kann, weil erkennbar »Wege« frei bleiben. Formen, Farben, Wuchshöhe, Blühzeit bieten sich geradezu als Gestaltungselemente an.

Dazu braucht es nicht mal die üppige Vielfalt der Frühlings- und Frühsommerblüten von Winterling über Schneeglöckchen, Schneestolz, Hyazinthen und Tulpen natürlich. Schon allein eine Familie, zum Beispiel die der Krokusse (Foto: B. Müller), bietet ungeahnte Möglichkeiten, künstlerische Ideen wachsen zu lassen. Und nach der bunten Zeit kommt dann im Sommer die grüne des Rasens, auf dem man ohne Rücksicht lümmeln kann.

Auch Gemüse muss nicht nur in Reihen angebaut werden. Da es bei Pflanzen zugeht wie bei Menschen: Manche mögen sich, manche können sich nicht riechen. Andere beflügeln sich gegenseitig zu Höchstleistungen, wenn eine entsprechende Mischkultur von Pflanzen aus der dritten Gruppe optimal ist. Das kann natürlich auch quadratisch, dreieckig oder rund nebeneinander probiert werden. Zum Beispiel könnten Möhren und Zwiebeln statt auf zwei laufenden Metern auf einem Quadratmeter diagonal nebeneinander wachsen; eingefasst wird das Bild von einem Spinatrahmen oder – wer es dazu lieber bunt mag – aus Tagetes. Kopfsalat, Kohlrabi und Radieschen tanzen auch gern im Kreis umeinander.

Besonders schlechte Nachbarn sind dagegen Salat und Petersilie; Fenchel und Tomaten; Zwiebeln mit Bohnen, Erbsen, Kohl; Erbsen – Tomaten, Bohnen; Kartoffeln – Tomaten, Sonnenblumen; Kohl und Senfsaaten. Dagegen kann man mit Kräutern den Pflanzen schon auf den Beeten und nicht erst in der Salatschüssel Gutes tun. Dill, dem es oft zu langweilig in einer Reihe allein ist, befördert das Aufgehen u. a. von Möhren, Roter Beete, Salat und Zwiebeln und wächst dabei selber gut. Oder Kapuzinerkresse, die sich als Läusefänger auf Baumscheiben im Obstgarten ebenso gut macht, wie sie gern als Nachbarin von Kartoffeln, Tomaten und Bohnen gemocht wird.

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